Von Lothar Lochmaier
Fast überall gibt es Sicherheitslecks
Die Analyse beginnt in der Regel mit einer schonungslosen Offenlegung des Ist-Zustands. Rund 80 Prozent der Webshops, E-Business-Portale oder Homepages von Unternehmen sind löchrig, schätzen Experten. Mit einer lose organisierten Sicherheitsfortbildung für die Entwickler ist das Problem jedoch keineswegs gelöst. Das Thema gehört von Beginn an in die Projektplanung.
Firewall für die Unternehmens-IT: Die Schutzmauer sollte so hoch wie möglich sein
Trotzdem bauen die meisten Firmen zuerst eine Anwendung und fragen oft erst hinterher nach der Sicherheit. Entwickler sollten beim Programmieren zwar auf korrekte Ein- und Ausgabeprüfung achten sowie die Zugriffsberechtigungen spezifizieren oder einschränken, doch lassen sich hochgesteckte Vorgaben in der Praxis selten durchgängig realisieren. Regelmäßige Prüfung der Programmiertechnik sowie Designchecks sind bisher nur selten Usus.
Auch mangelt es an bedarfsgerechten, herstellerunabhängigen und umfassenden Securityschulungen zum Thema Webapplikationen, die zudem Theorie und Praxis sinnvoll verzahnen. Nur wenige Anbieter wenden sich bisher mit gezielten Angeboten an die Entwickler. Das Terrain gilt als ausgesprochen sensibel. Oft führen kurzfristig beauftragte Teams aufgrund kritischer Vorgänge quasi posthum Ad-hoc-Penetrationstests auf Webapplikationen im Beisein des Kunden durch, die das eine oder andere Aha-Erlebnis für die Verantwortlichen nach sich ziehen.
Basislektionen richtig anwenden
Im Dschungel der Weiterbildungen zur Web Application Security ist zudem der Grat ausgesprochen schmal, zwischen einem zu hoch spezialisierten Expertentum und unnützem Halbwissen. Deshalb raten Experten das Thema von der grundsätzlichen Seite anzugehen: Wichtig ist, dass die Entwickler die Basistechnologien richtig begreifen, wie etwa die Funktionsweise relationaler Oracle-Datenbanken.
Daneben gilt es, gezieltes Wissen aufzubauen, etwa über sichere Java- oder PHP-Anwendungen. Ein festgelegtes und strukturiertes Vorgehen erspart unnötige Arbeit. Und durch sorgfältige Planung, Auswertung der Erfahrungen sowie wieder verwendbare Komponenten kann das Unternehmen sogar Geld einsparen.
Fakt ist aber auch, dass Firewall, Virenschutz und Intrusion Detection allein nicht ausreichen. Denn der Eindringling schlüpft in die Rolle des Programmierers und nutzt nicht erwartete Eingaben zur Manipulation von Daten oder zum Einschleusen von gefährlichem Code. Beispielwsweise wird in das Eingabefeld einer Maske ein Javaskript eingegeben, welches dann oft tatsächlich ausgeführt wird und so eine Hintertür in die Applikation öffnet.
Diese Anwendungen stellen häufig aber nicht nur die jeweilige Webpräsenz des Unternehmens dar, sondern sind untrennbar mit Backend- und Datenbanksystemen verbunden. Aufgrund der komplexen Bedrohungsmuster gilt es deshalb die technischen Lösungen in das gesamte Reputationsmanagement einzubinden, inklusive einer Evaluierung am gemeinsamen runden Tisch, mit den relevanten Fachabteilungen.
© manager magazin online 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH