Von Susanne Schulz, Stockholm
Stockholm - IT-Verantwortliche in Unternehmen stehen vor folgendem Problem: Ist Grüne IT ein Hype, oder soll ich es ernst nehmen? Wie Pilze schießen Aufklärungswebsites, Whitepapers und Initiativen der Hardware- und Softwareanbieter aus dem Boden. Da kommt schnell der Verdacht auf, es handle sich um bloße Marketingstrategien, die auf dem Rücken der Trendwelle nur noch mehr Produkte auf den Markt werfen sollen.
Andererseits ist auch nicht alles schlecht, was die Projekte "Big Green" von IBM, Sun Eco Initiative von Sun Microsystems oder Dell Earth bezwecken. Nahezu alle namhaften Unternehmen der Branche haben im Laufe des Jahres angefangen, sich im Umweltbereich zu engagieren: AMD, APC, Dell, Hewlett-Packard, IBM, Intel, Microsoft, Rackable Systems, Spraycool, Sun und VM-Ware haben die Infoplattform Green Grid gegründet. Google und Intel präsentieren sich zusammen mit dem WWF mit der Initiative Climate Savers Computing in grünem Gewande. Cisco betreibt in Deutschland Aufklärungsarbeit mit der Website Gruene-IT.org.
Natürlich haben die Unternehmen dabei einen Nutzen für sich selbst im Sinn. Auch kann die Qualität der einen oder anderen Initiative angezweifelt werden. Doch ist der Trend angesichts der steigenden Energiekosten und des zunehmenden Umweltbewusstseins nicht letzten Endes auch im Sinne von Verbrauchern und der Umwelt?
TCO - ein weltweiter Standard
Die Anwender selbst haben die Lawine losgetreten. Ohne ihre Nachfrage nach umweltschonenden und energiesparenden Produkten im IT-Bereich gäbe es beispielsweise die zahlreichen Umwelt-Prüfsiegel gar nicht. "Ausschlaggebend sind immer die Anwenderunternehmen", erklärt einer, der es wissen muss. Per Erik Boivie ist Initiator des TCO-Siegels für Computer und Bildschirme.
Das bekannte schwedische TCO-Label ist ein Musterbeispiel für anwendergetriebene, grüne IT. Das Siegel habe sich durch die Nachfrage von Unternehmen weltweit etabliert, sagte Boivie gegenüber manager-magazin.de. TCO steht für Tjänstemännens Centralorganisation und bezeichnet den schwedischen Dachverband der Angestelltengewerkschaften. Die Organisation setzte sich schon früh für standardisierte Tests vor allem von Bildschirmen ein, denn kurz nach Einführung der Personal Computer 1981 gab es unter den schwedischen Angestellten schon die ersten Krankheitsausfälle wegen zu hoher Strahlenbelastung.
Dass aus dem Ökozeichen jedoch ein weltweiter Standard wurde - die drei Buchstaben TCO prangen bereits heute auf schätzungsweise 500 Millionen Bildschirmen - verdanken die Tjänstemännen vor allem dem deutschen Anwendermarkt. "In Deutschland wurden die Energiesparstandards für Bildschirme schneller adaptiert als in Schweden, weil dort die Strompreise höher waren", sagt der Erfinder des TCO-Siegels. Vor allem deutsche Behörden, Banken und Finanzinstitute seien es gewesen, die dem Gütesiegel Anfang der 90er Jahre zum Durchbruch verhalfen. Die Themen Energiesparen, Steigerung der Produktivität und Vorbeugung von Gesundheitsrisiken hätten ganz oben auf der Wunschliste der Anwenderunternehmen gestanden, fährt der Schwede fort.
Denn die Produktivität eines Mitarbeiters erhöht sich beispielsweise mit der Bildqualität seines Bildschirms. Wenn das Bild klarer ist, werden weniger Fehler gemacht. Wenn die Strahlung nicht gesundheitsschädlich ist, gibt es weniger Krankheitsausfälle, und so weiter. Einige Umweltsiegel liefern also wesentlich mehr nützliche Information als lediglich Daten über die Stromersparnis.
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