Von Karsten Stumm
mm.de: Herr Zalbertus, Sie haben TV-Stationen gegründet, um Ihr eigenes Lokalfernsehen auf die Beine zu stellen. Warum? Daran scheiterte schon Leo Kirch. Haben Sie mehr Geld zu investieren als er?
Zalbertus: Viel weniger Geld sogar, dafür vielleicht mehr Ideen. Denn Kirch hat in seinen damaligen Lokalkanälen vor allem alte Filme wiederholen lassen. Wir machen etwas anderes. Echtes Heimatfernsehen. Wir sind hautnah draußen bei den Menschen und berichten darüber, was die umtreibt. Wir wecken Emotionen, deshalb schauen die Leute bei uns rein.
mm.de : Das wissen Sie?
Zalbertus: Klar. Köln beispielsweise, der Standort meines ersten Senders, hat 105 Karnevalsvereine. Die meisten von denen werden bei den etablierten Fernsehstationen nie erwähnt. Wir zeigen alle.
mm.de : Für Menschen außerhalb des Rheinlandes klingt das wie eine Drohung.
Zalbertus: Aber nicht für die meisten Kölner oder Düsseldorfer. Die Menschen hier schauen sich das gerne an, manchmal erspäht man dabei Nachbarn oder Freunde. Oder sich selbst! Wir haben sogar den Rekordversuch übertragen, die längste Karnevalsveranstaltung der Welt auf die Beine zu stellen - und zwar live.
mm.de : Kritiker halten Ihnen vor, Sie machten Clown-Fernsehen. Stört Sie das?
Zalbertus: Mich nicht, nur meine Mitarbeiter stehen da womöglich nicht immer so drüber. Dabei hat das mit Clownerie nichts zu tun. Center.TV ist in Köln mittlerweile Kult geworden. Wir machen emotionales Fernsehen für die Masse der Menschen in der Stadt.
mm.de : Ist das der Grund, warum Ihr Kölner Sportmoderator oft das Fanlied des Fußballvereins 1. FC Köln singt, im Studio vor laufender Kamera? Fast wie beim Abspielen der Nationalhymne bei Fußball-Länderspielen.
Zalbertus: Genau. Wir wollen die Herzen der Menschen erreichen und das geht in Städten wie Köln oder Düsseldorf, in denen sich die Menschen mit ihrer Stadt besonders identifizieren. Schauen Sie, die ersten Wochen des damals neuen FC-Trainers Christoph Daum war für uns nichts weniger als der 11.September 2001 für CNN: Wir haben gesendet und gesendet und gesendet. Der 1. FC Köln hat bei fast jedem Heimspiel immerhin 50.000 Zuschauer.
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