Von Lothar Lochmaier
Geringe Erfolgschancen
Management 2.0 könnte außerdem den Wandel von Großprojekten zu kleineren und überschaubaren Vorhaben beschleunigen. Großprojekte in der Forschung und Entwicklung sind zwar in vielen Branchen unvermeidbar. Andererseits ist eine gute Aufteilung in verdauliche Häppchen gefragt, nämlich komplexe Fragestellungen zu zerlegen und organisatorisch auf Teilprojekte und Arbeitsteam herunterzubrechen.
Das Managementregime der Marke 2.0 könnte zumindest in stärkerem Ausmaß einer "sich selbst entwickelnden und lernenden Organisation" den Weg bereiten, die unter dem Strich auch bessere geschäftliche Ergebnisse ermöglicht. Dass die daraus resultierende Wortschöpfung Enterprise 2.0 jedoch nicht überall Gehör finden wird, darüber ist sich auch Erfinder McAfee im Klaren.
Der Harvard-Professor schätzt, dass über die Hälfte der Projekte als Fehlschlag enden. Ein weiteres Drittel der Betriebe scheitere an organisatorischen Untiefen, und gerade mal 10 Prozent der Unternehmen hätten ausreichende Erfolgschancen.
McAfee sieht dafür gleich mehrere Gründe: Damit eine neue Technik eine alte dauerhaft ersetzen könne, müsse diese zehnmal besser beziehungsweise leichter bedienbar sein. Des Weiteren zwängen Spezialisten den Plattformen oftmals ungeeignete Strukturen auf, deren Vorteile nur selten den Aufwand rechtfertigten. Auch konkrete Anreize, mit denen die Führungskräfte ihre Mitarbeiter zur aktiven Teilnahme bewegten, seien häufig Fehlanzeige. Und schließlich sei die Unternehmenskultur noch nicht reif, gravierende Einschnitte und die damit verbundenen Anwendungen zu akzeptieren.
Personalführung rückt in den Fokus
Jene 10 Prozent der betrieblichen Avantgarde aber, denen der Umdenkprozess in Richtung Enterprise 2.0 gelingt, für die macht McAfee klare Vorteile aus. Sie verfügten durch den Einsatz von Social-Media-Plattformen über ein schärferes Profil und seien weniger gleichförmig.
Damit Deutschland das notwendige Niveau an Innovationsleistung halten könne, bedeute dies für Manager 2.0 auch, sich wieder vermehrt auf die Personalführung zu fokussieren, und weniger auf das bloße Fachwissen zu setzen, resümiert IBM-Experte Schütt: "Denn dafür werden vermehrt die Netzwerke der Experten zuständig sein, in die das Management einen guten Altersmix der Mitarbeiter einsteuert."
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