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14.10.2007
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Auszeit

Der Schein bestimmt das Bewusstsein

Von Matthias Kaufmann

4. Teil: Fotonews, unglaublich

Für Verspielte: Aktueller Anlass, abgefahrene Bilder auf der Photoshop-Fanseite

Für Verspielte: Aktueller Anlass, abgefahrene Bilder auf der Photoshop-Fanseite

freakingnews.com

Manipulation also, wohin man auch blickt, und trotzdem regt sich kein Widerstand. Vielleicht sind wir das einfach gewohnt, im Zeitalter von Photoshop und Co. Nichts ist, wie es scheint. Oder, in Anlehnung an Karl Marx: Der Schein bestimmt das Bewusstsein.

Das letzte Mal, dass sich in Deutschland jemand über Fotomanipulationen in der Öffentlichkeit aufgeregt hat, ging es um Klaus Kleinfeld und Angela Merkel. In getrennten Fällen, wohlgemerkt. Kleinfeld ließ sich die Rolex wegretuschieren, damit seine Entlassungen sozial ausgewogen ausschauen. Und ein paar Journalisten-Kollegen entfernten Merkel die Schweißflecken, weil sie die Kanzlerin so cool finden. Die Aufregung war groß, doch geändert hat das nichts: Merkel regiert noch immer und Kleinfeld ging aus ganz anderen Gründen.

Warum also nicht einen spielerischen Ansatz verfolgen und das Nachrichtengeschehen durchgängig mit der Bildbearbeitungssoftware Photoshop begleiten? Danach verfährt die US-amerikanische Website "freakingnews.com". Passend zur Nachrichtenlage loben die Macher Wettbewerbe zur Bildgestaltung nach strengen Vorgaben aus. Bildfrickler aus aller Welt antworten.

Aktuell reagieren sie etwa auf das Ergebnis jüngerer Forschung, wonach Elefanten Angst vor Bienen haben, und rufen dazu auf, Prominente zu elefantieren. Mit durchschlagendem Erfolg. Nun hängt Elton John und Barack Obama ein Rüssel aus dem Gesicht und ein Jedifant gehört zu den Favoriten der Website; bei Prinz Charles wie auch Britney Spears sind die Änderungen nur marginal.

Andere Stichworte aus jüngster Zeit sind "Baseball", "Öl-Sklaven von Total", "Lindsay Lohan verlässt die Reha" oder "Obamas Wahlkampffinanzierung". Jeden Tag kommen neue hinzu, wie etwa die Vorschläge für ein Google Phone. Die Qualität der Bilder ist sehr unterschiedlich, guter Geschmack eine flexible Grenze.

Immerhin findet sich nicht ausschließlich Banales. Der Osama-Bin-Laden-Wettbewerb zeigt den Al-Kaida-Guru als Microsoft-Programmier, als Mitstreiter der Rockband ZZ Top und ganz provokativ als Rabbiner. Zum Thema Klimaerwärmung verlegte ein Fotokünstler New York in die Wüste, andere versahen Big Ben mit einem Thermometer oder einen Frosch mit einem PC-Lüfter am Hals.

Wem all das zu sehr daneben erscheint, der kann sich auch selbst an einem Wettbewerb beteiligen. Wobei das Wort Wettbewerb, das sei kritisch angemerkt, zu viel verspricht. Zu gewinnen gibt es nichts, außer Photoshop-Erfahrung (übrigens auch mithilfe interessanter Anleitungen), fantasievolle Anregungen (dank der ausführlichen Aufgabenbeschreibungen), Feedback (mittels Kommentarfunktion), und überhaupt: Ruhm und Ehre.

Alles ideelle Güter, für die sich der Wertverlust praktisch nicht errechnen lässt.

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