Von Matthias Kremp
Kleiner und ausdauernder dank GSM
Mit GSM sollte all das anders werden, versprachen die Unterzeichner jener Erklärung von 1987. Fortan sollten Gespräche digital übertragen werden. Zudem sollte das GSM-Funknetz so feinmaschig aufgebaut werden, dass den Geräten nur eine geringe Sendeleistung abverlangt wurde. Auf diese Weise sollten GSM-Handys nicht nur kleiner als ihre C-Netz-Vorgänger werden, sondern auch länger als diese mit ihrem Akkustrom auskommen.
Doch bis es so weit war, mussten sich die Anwender noch reichlich in Geduld üben. Erst 1992 startete der digitale GSM-Mobilfunk in Deutschland - und mit ihm eine neue Generation von Mobiltelefonen. Die ersten Modelle für das fortan als D-Netz bezeichnete Mobilfunknetz konnten die Versprechen freilich kaum erfüllen. Sie brachten immer noch ein knappes Kilo auf die Waage und meldeten bei normaler Nutzung bereits nach rund zwölf Stunden Energienotstand an. Aber das war damals noch ein Luxusproblem.
Heute ist das anders. In den letzten 15 Jahren ist das Handy zum Allgemeingut geworden. Nach Angaben des Branchenverbands Bitkom gab es in Deutschland bereits 2006 mehr Handys als Einwohner. Doch der große Boom ist hier längst vorbei. Handyhersteller und Netzausrüster wenden sich mittlerweile Drittwelt- und Schwellenländern zu. Allein in China sind in den letzten Jahren fast eine halbe Milliarde Mobiltelefone verkauft worden.
2,5 Billionen SMS pro Jahr
Und die werden eifrig genutzt. So vermeldet die GSM Association, dass im vergangenen Jahr eine Billion Gesprächsminuten über GSM-Netze vertelefoniert wurden. Zur Killerapplikation hat sich jedoch der Versand von Textnachrichten entwickelt. Anfangs nur zum Verschicken von Informationen durch Techniker gedacht, entpuppte sich der Anfangs noch als "Alpha Text" bekannte Short Message Service (SMS) später als Publikumsrenner, was wohl in erster Linie den ursprünglich horrend hohen Minutengebühren für Mobilfunkgespräche zuzuschreiben war. Mittlerweile werden 2,5 Billionen SMS-Nachrichten pro Jahr versendet.
Kein Wunder, dass sich die Unterzeichner der Erklärung von vor 20 Jahren in einer historischen Rolle sehen. Sir Christopher Gent, seinerzeit Vodafone-Chef, sagt: "GSM ist die wichtigste Übereinkunft in der Geschichte der Telekommunikation." Seiner Ansicht nach haben die digitalen Funknetze "mehr dazu beigetragen, die digitale Kluft zu überwinden, als irgendeine andere Innovation und sind ein hervorragendes Beispiel für globale Zusammenarbeit."
Und das scheint auch weiter so zu bleiben. Denn die alten Netze werden derzeit weitweit für schnelle Datendienste aufgebohrt. Immerhin haben schon mehr als 120 Mobilfunkanbieter in 61 Ländern der Welt damit begonnen, ihre Netze breitbandfähig zu machen. Wenn sich dieser Trend auch in die ärmeren Länder ausweitet, könnte auf diese Weise das Ziel, bis 2015 die Hälfte der Menschheit online zu bringen, tatsächlich erreicht werden. Vielleicht wird der mobile Internetzugang dann zur nächsten Killerapplikation - schließlich ist die SMS ja schon reichlich in die Jahre gekommen.
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