Von Marc Pitzke, New York
74.535 abgeholzte Bäume
"Wir verschicken nicht viele Rechnungen im Karton", versicherte AT&T-Sprecher Mark Siegel der Zeitung "USA Today". Später legte AT&T
eine schriftliche Stellungnahme nach, in der es den Kunden empfahl, sie könnten die Papier-Rechnungen gerne abbestellen und stattdessen auf reinen Onlineverkehr umsteigen.
Doch die Kritik an den Riemenrechnungen häuft sich - und wird langsam zur Imagefrage, sowohl für AT&T als auch für Apple
. "Rechnungen, die wie Bücher aussehen", seien nur eine weitere Macke des iPhones, wie zuvor schon schlechter Kundendienst, notorische Netzprobleme und langsamer Datenfluss, schimpfte der Tech-Analyst Rob Enderle im TV-Sender ABC. "AT&T sollte sich ein neues Motto besorgen", sagte er. "Use AT&T, kill a tree."
Wie viele Bäume für das "umweltfreundliche" iPhone draufgehen, will der Blogger Muhammad Saleem ausgerechnet haben. Sollten tatsächlich bis Ende 2008 zehn Millionen iPhones verkauft werden und jede Monatsrechnung dafür im Schnitt 50 Seiten betragen, so schrieb er, wären das sechs Milliarden Seiten Papier - 74.535 Bäume.
AT&T hat ein Einsehen
Jedes Jahr verleiht die Marketing-Organisation CMF den Halo Award, einen Preis für brillantes und "gutes" Marketing. Voriges Jahr gewann AT&T die Silbermedaille - für sein papierloses "E-Bill"-Programm, also die papierlose Abrechnung via Internet. "Der Anreiz war, Bäume zu retten", hieß es in der Begründung, die AT&T auch dafür lobte, für jeden Kunden, der auf die "E-Rechnung" wechselt, einen Dollar an die National Arbor Day Foundation zu spenden, eine Stiftung, die Bäume pflanzt. Aber wie gesagt: Dies ist ein Marketing-Preis.
Am Ende meiner 79-Seiten-iPhone-Rechnung verabschiedet sich AT&T derweil freundlich bis zum nächsten Monat: "Vielen Dank, dass Sie uns geholfen haben, der Umwelt zu dienen."
Nachtrag: AT&T hat inzwischen ein Einsehen gehabt. Die künftigen iPhone-Rechnungen sollen nur noch etwa drei Seiten umfassen, verspricht der Telekomkonzern: Man werde eine Kompaktversion verschicken. Selbstverständlich sei es weiter möglich, sich alle Daten auflisten zu lassen - kostenlos allerdings nur online. Wer weiter die Papierberge beziehen möchte, muss dafür in Zukunft 1,99 Dollar Aufpreis zahlen.
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