Von Lars von Thienen
Denkmuster Nummer 1: Der heilige Standard
In der überwiegenden Zahl der beobachteten IT-Einführungsprojekte erfolgt auch heute noch eine Orientierung am Standard. IT-Leiter definieren den Erfolg einer Systemeinführung daran, wie nah die Lösung am Standard ist. "Wir haben keine Abweichung vom CRM-Standard zugelassen" lautet häufig die Erfolgsmeldung eines CIOs. Besser sollte er aber prüfen, wie sehr das neue System den Prozess nachhaltig verbessert.
Gerade im Zeitalter, in der IT als Gebrauchsgut im Übermaß vorhanden ist, stellt sich die Frage: "Kann mit der Anwendung von IT-Funktionen ein Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb erzielt werden?" Die Flexibilität und Individualität der IT wird zunehmend ein entscheidender Faktor für den Prozesserfolg. Starre und am Standard ausgerichtete Systeme erfüllen zwar die Anforderungen an geringe Einführungs- und Betreuungsaufwände, nicht aber an qualitativ hochwertige Prozesse und individuelle Leistungen.
Reduzierte IT-Budgets dürfen nicht dazu führen, dass die Individualität der Fachbereiche standardisierten IT-Systemen zum Opfer fällt. Langfristig führt dies zwangsläufig zu Wettbewerbsnachteilen. Serviceorientierte Architekturen (SOA) bieten Auswege für dieses Dilemma. Standardisieren Sie einzelne IT-Funktionen in Services - aber ermöglichen Sie eine individuelle und flexible Kombination der einzelnen Funktionen in den Prozessen der Fachbereiche.
Denkmuster Nummer 2: Solution-to-all-Problems-Syndrom
Eine beliebte Antwort auf die Frage "Wie lösen wir dieses fachbereichsbezogene Problem?" lautet: "Mit neuer IT!". Wenn es Probleme im Projektmanagement gibt, dann wird ein neues Projektmanagementtool gefordert. Wenn das Controlling nicht mehr aussagefähig und aktuell ist, wird nach einem Business Information Warehouse gerufen.
Vertreter dieser Fraktion sind überzeugt, das die Abkürzung SAP für "Solution to all Problems" steht. Das ist vergleichbar mit dem Glauben eines Kindes an die allumfassenden Fähigkeiten von Bob dem Baumeister.
Diese Einstellung kann zu zahlreichen Problemen führen. Zum einen wird das eigentlich fachliche Prozessproblem auf die IT verlagert. So lange es kein neues IT-System gibt, ist die IT für das Problem zuständig und der Fachbereich hat eine Ausrede parat. Auf der anderen Seite führt es dazu, dass die IT die Grundlagen für das Geschäft definiert. Der Fachbereich begibt sich dadurch in eine Abhängigkeit.
Die Prozessverantwortung und -gestaltung darf vom Fachbereich nicht in die IT verlagert werden. Hinterfragen Sie den vorschnellen Ruf nach neuen IT-Systemen. Bekämpfen Sie die Ursache der Probleme an der Wurzel, also in den fachlichen Prozessen.
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