Von Konrad Lischka
Handy als Bargeld-Konkurrenz
Einige Mobilfunkanbieter würden Godschalk antworten: selbstverständlich. In asiatischen Staaten gibt es schon heute einige leidlich funktionierende Handybezahlsysteme. Die Unternehmensberatung Arthur D. Little schätzt, dass 2008 gut 37 Milliarden US-Dollar mit Mobiltelefonen ausgegeben werden dürften – 2003 waren es nur 3,2 Milliarden. In Japan bezahlen Kunden heute schon Bahntickets mit Hilfe ihrer Handys. Das könnte auch daran liegen, dass viele Geldautomaten in Japan heute noch immer Öffnungszeiten haben – zum Teil muss man für Abhebungen außerhalb der Geschäftsstunden auch Extra-Gebühren zahlen.
Oder doch Geldkarten?
In der Londoner U-Bahn hat sich ein anderes System bewährt: Dort können Kunden seit drei Jahren Fahrkarten mit im Voraus bezahlten Oyster-Karten (mit RFID-Chip), sogenannten Smart Cards ziehen. Inzwischen werden nur noch 5 Prozent der Fahrkarten mit Münzen bezahlt. Kein Wunder – bar bezahlte Tickets kosten mehr. Noch in diesem Jahr will die Barclays-Bank in Großbritannien eine Karte anbieten, die den Oyster-Chip mit einer regulären Kreditkarte und einer neuen kontaktlosen Version kombiniert: Bei Beträgen unter zehn Pfund muss sie nicht mehr durch ein Lesegerät gezogen, sondern nur an ihm vorbeigeschwenkt werden.
Karte und Handy? Stephen Timewell, Chefredakteur des britischen Fachmagazins "The Banker" rechnet damit, dass man noch Jahre warten muss, bis sich ein ernsthafter Konkurrent fürs Bargeld abzeichnet: "2010 werden wir sehen, was erfolgreich ist."
Bargeld dominiert noch lange
Es könnte auch noch wesentlich länger dauern. Denn ganz neu sind die Visionen eines Bargeldersatzes nicht. Als 1996 in Deutschland die Geldkarte eingeführt wurde, waren die Hoffnungen ähnlich groß. Heute kann man mit diesem Chip auf der Bankkarte Fahrkarten und Zigaretten kaufen, sich an den neuen Zigarettenautomaten sogar ausweisen. Trotzdem: "Die Geldkarte ist ein Flop", rechnet Zahlungsverkehrsexperte Godschalk vor: "Die Transaktionszahl liegt heute, nach zehn Jahren, bei der schlimmsten Annahme, die man 1996 für das Jahr 1999 getroffen hat".
Bargeld sei einfach praktischer, urteilt Godschalk: "Im Bereich der Kleingeldzahlungen, wo man Menschen Geld gibt, ist Bares oft effizienter, schneller, einfacher. An Automaten ist das anders."
Neue Aufgaben für Geldautomaten
Aber selbst wenn die Menschen an allen Fahrkartenautomaten Deutschlands ausschließlich bargeldlos zahlen, bleibt noch genug Cashbedarf, um die Geldautomaten auszulasten. Und sie dürften noch mehr zu tun bekommen. Stephen Timewell von "The Banker" sieht einen neuen Automatisierungstrend. Zu SPIEGEL ONLINE sagt er: "Geldautomaten übernehmen mehr und mehr Aufgaben der Bankfilialen." So werde das weitergehen – "bis Banken in ihren Filialen nur noch beraten und Produkte verkaufen".
Alles andere sollen Kunden online erledigen – oder am Geldautomaten. Beim automatischen Bankangestellten eben, von dem Erfinder schon vor 40 Jahren träumten.
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