Fragwürdige Qualität
Mancher Fan sieht das anders - und hofft darauf, dass die komplexe Technik der Internet-Livesendungen eher als rechtliche Grauzone gewertet wird. So bietet etwa Markus Schumann aus Dresden im Internet unter Sportstreams aktuelle Programmtipps für kostenfreie Websendungen an. "Das Angebot an Webstreams ist groß - so werden neben der Bundesliga oder der Champions League auch Länderspiele ausgestrahlt." Denn ausländische TV-Sender etwa in China übertrügen die Bundesliga kostenfrei im Fernsehen, und deren Sendungen seien über das Netz auch in Deutschland zu empfangen.
Offiziell richtet sich die Seite nur an Deutsche im Ausland, die in den jeweiligen Ländern die Übertragungen legal sehen können. In der Praxis dürften aber auch viele Surfer in Deutschland die Tipps zum kostenfreien Empfang von Sportstreams befolgen - schließlich ist die nötige Technik heute leicht erhältlich. Fans brauchen lediglich einen schnellen Internetzugang und ein passendes Programm. Solche Software wie Sopcast, TVAnts oder PPLive lässt sich kostenlos im Internet herunterladen. Ob sich die Nutzer aber über die rechtlichen Probleme bewusst sind, ist fraglich.
Bezahlsender fürchten bislang aber nicht um ihre Kunden wegen der kostenlosen Fußballübertragungen im Web. "Das ist ja nur etwas für Bastler und Technikfreaks", sagt Premiere-Sprecher Frank Schillinger. Der Sender hatte in der vergangenen Saison gemeinsam mit der Deutschen Telekom die Bundesliga live via IP-TV übertragen. Derartige Bezahlangebote böten eine viel bessere Qualität als die kostenlosen Übertragungen, so Schillinger.
Kommentar in der jeweiligen Landessprache
In der Tat haben Fans laut Schumann oft mit technischen Problemen zu kämpfen, wenn sie ein Spiel gratis im Web verfolgen wollen. "Ab und zu sind Streams recht verschwommen und laufen nur ruckelnd oder gar nicht." Viele Fans seien deshalb enttäuscht, wenn sie das erste Mal einen Fußball-Stream anschauen. Nutzer dürften nicht zu viel erwarten: "Man erkennt die Ergebnisanzeige, kann die Wege des Balles flüssig nachvollziehen und erkennt in der Übersichtskamera auch den ein oder anderen Spieler", erläutert Schumann. Anwender mit geringer Bandbreite sollten zudem auf einen Vollbildmodus verzichten.
Auch müssen Fans mit dem ausländischen Spielkommentar zurecht kommen. Die meisten Streams würden in der jeweiligen Landessprache gesendet, erklärt Schumann. "Man hört also das gesamte Spiel etwa chinesische Sportkommentatoren, was auch einige abschreckt." Einige Anwender greifen zwar zu einem Trick, um einen deutschen Kommentar zu erhalten: Sie lassen parallel zum Bild des Web-TVs eine Live-Radioübertragung laufen. Allerdings kostet es einige Mühe, die beiden Signale zu synchronisieren: Auf Grund des langen Übertragungsweges haben Streams oft eine Verzögerung von mehreren Minuten.
Letztlich bleibt Fans als legale Alternative zum Bezahlfernsehen wohl doch nur der Gang in die nächste Fußballkneipe, wenn sie die Spiele ihrer Mannschaft live verfolgen wollen. Immerhin: Auf diese Weise verpassen Fans nicht die wichtigste Szene eines Spiels, weil sie gerade neues Bier holen.
Tobias Schormann, dpa
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