Von Anja Tiedge
Warum Knut schuld ist
Die aktuelle Meldungsflaute bestärkt die Kritiker nun in ihrer Vermutung, das Ganze sei nur ein medialer Hype gewesen, der bereits am Ende seines Lebenszyklus angekommen ist. Second Life sei vollständig von Knut abgelöst worden, schreibt etwa der Buchautor und Blogger Sascha Lobo im vergangenen April, als der Hype um das Eisbärenbaby seinen Höhepunkt erreichte.
Mittlerweile üben sogar Marketingexperten Kritik an Second Life. "Die Euphorie schwächt sich deutlich ab", sagt Axel Schönau, Managing Director bei der Marketingagentur Global Media. Unternehmen, die in der Onlinewelt für sich werben wollen, hätten erkannt, dass das Portal keine "Eier legende Wollmilchsau" sei, so Schönau. "Auch, wenn die Einwohnerzahl zunächst gigantisch klingt, wissen Unternehmen nicht, ob und in welchem Ausmaß sich ihre Zielgruppe darunter befindet", meint der Marketingfachmann. Die Frage, wie Unternehmen in Second Life Geld verdienen können, sei ohnehin noch nicht beantwortet.
Das Geldverdienen sollte nun aber gar nicht das Ziel in Second Life sein, sagen die Entwickler von Linden Lab. "Viele Manager denken, unsere Plattform sei die ultimative Chance, ihr Unternehmen zu vergolden. Aber das ist sie nicht - und das soll sie auch nicht sein", sagt Miller. Second Life drehe sich vielmehr darum, Leute kennenzulernen und mit ihnen zu kommunizieren. "Das große Geld können sie bei uns nicht machen."
Auch Second-Life-Entwickler Rosedale fürchtet, überzogene wirtschaftliche Erwartungen an sein Portal nicht erfüllen zu können. "Second Life ist total überbewertet", sagte er vor Kurzem dem "Focus".
Ob das die Konzerne in Zukunft davon abhalten wird, auf der Second-Life-Welle mitzuschwimmen? "Manche Menschen und Unternehmen sind einfach noch nicht bereit für Second Life. Aber geben Sie uns ein, zwei, fünf oder zehn Jahre - wir werden immer besser", sagt Miller. Ein Ende für Second Life ist bisher also nicht in Sicht. Doch das liegt bekanntlich in der Natur des Spiels.
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