11.05.2007
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VoIP

Jajah, diese Gratistelefonierer

Von Anja Tiedge

2. Teil: Keinen Cent für Werbung

Keinen Cent für Werbung

Eine Einfachheit, die vor allem diejenigen überzeugen soll, die bisher noch keine Erfahrung mit Internettelefonie gemacht haben. "Jajah sollen alle benutzen können: Von meiner 15-jährigen Nichte bis zu meiner 86-jährigen Oma", sagt Scharf. Obwohl seine Großmutter Jajah nicht nutze, wie der Österreicher zugibt. Der Grund dafür sei aber nicht der Unwille der alten Dame, sondern vielmehr, dass sie keinen Computer habe. Ein internetfähiger Rechner, der vor dem Telefonieren hochgefahren werden muss, ist bisher die Voraussetzung für die Nutzung von Jajah. Eine hohe Barriere für viele, die mit Internettelefonie nicht vertraut sind.

Vorbild Google: Telefonnummern eingeben, "Call" klicken, los
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Vorbild Google: Telefonnummern eingeben, "Call" klicken, los

Das will Scharf nun durch die strategische Partnerschaft mit Intel Capital ändern, die auch eine Zusammenarbeit in den Bereichen Produktentwicklung und Marketing beinhaltet. Mithilfe der Beteiligungsgesellschaft, die seit ihrer Gründung 1991 mehr als sechs Milliarden Dollar in Technologieunternehmen investiert hat, will Jajah Endgeräte entwickeln, die das Hochfahren des Computers überflüssig machen. "Der Rechner soll eine Telefonieanlage werden", sinniert Scharf. "Die Grenzen zwischen Computern und Mobiltelefonen verschwinden", meint auch Mitgründer und Chefentwickler Daniel Mattes. "Wir werden Computer und Telefone auf fundamentaler Ebene vereinen."

Scharf und Mattes haben sich nicht nur langfristig hohe Ziele gesetzt. Bis Ende des Jahres wollen die beiden Unternehmer, die ihr Büro in den gleichen Räumlichkeiten wie einst die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page eingerichtet haben, zehn Millionen Kunden von ihrem Produkt überzeugen. Derzeit sind es zwischen zwei und drei Millionen - ein ehrgeiziges Ziel also.

Hinzu kommt, dass Jajah nach eigenen Angaben bisher keinen Cent für Werbung ausgegeben hat. Darin sieht Scharf jedoch kein Problem: "Wir wachsen durch Mund-zu-Mund-Propaganda", sagt er. Schließlich wolle jeder registrierte Nutzer aufgrund der Gratisgespräche zwischen den Jajah-Usern auch seinen Freundeskreis davon überzeugen, sich bei dem Unternehmen anzumelden. Eine Art Schneeballsystem also - im positiven Sinne, versteht sich.

Die meisten Jajah-Teilnehmer sind nach Unternehmensangaben zahlende User, die durchschnittlich sechs Euro Umsatz pro Kopf und Monat generieren. Der Trend gehe aber zur gänzlich kostenlosen Internettelefonie, meint Scharf. Für den Endkunden wäre das zwar erfreulich - doch wie will Jajah in diesem Fall Umsatz erwirtschaften, geschweige denn seine 60 Mitarbeiter halten? "Auch Jajah-Anrufe werden kostenlos", ist Scharf überzeugt. "Aber wenn der Nutzer nicht zahlt, muss es jemand anderes tun. Dafür entwickeln wir gerade etwas." Was genau das sein wird, will Scharf nicht verraten. Er nennt es geheimnisvoll eine "Robin-Hood-Engine", die im Juli online gehen soll. Man darf also gespannt sein, was es demnächst aus dem Silicon Valley Neues gibt.

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