Chance für neue IT-Plattformen
Dabei hilft der Reiz des Neuen: Bei der Unicredit
wird nicht nur fusioniert, sondern gleichzeitig die Bank komplett umgebaut. Analog zur Struktur der Italiener wurden die Prozesse zwischen den Divisionen verändert und die HVB in fünf Sparten beziehungsweise Kundensegmente aufgeteilt. Dadurch wächst aber auch der Erfolgsdruck, denn die Leistung wird jetzt für jedes einzelne Segment gemessen. "Wir sind ein Team, wenn jemand sein Ziel verfehlt, muss ein anderer seines übererfüllen", sagt Unicredit-Chef Alessandro Profumo.
Im Jahr eins nach der Fusion gab es bei der HVB als Erstes ein Integrationsprojekt für eine gemeinsame Commercial-Banking-Plattform, die das Retail-Umfeld auf internationaler Ebene zusammenführt und die vielen verschiedenen Host-orientierten Legacy-Systeme ablösen soll. Kern ist mit "Eurosig" eine neu entwickelte Anwendung aus Italien, die in Deutschland noch Ende 2008 starten soll.
Bei der Integration ist es der Bank gelungen, mit sogenannter Serviceorientierter Architektur (SOA) die Anzahl der Schnittstellen deutlich zu reduzieren. "SOA ist wie Esperanto, das die ITler in Deutschland und Italien auf Anhieb verstehen", sagt Rausch. Zudem werden in einem zweiten Projekt die drei verschiedenen Investmentbanking-Entitäten (Unicredit Banca Mobiliare, Bank Austria Creditanstalt und HVB) IT-technisch zusammengebracht.
"Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation"
Neben der Integration der Systeme darf die Information der Mitarbeiter nicht vergessen werden. Denn Fusionen bedeuten immer auch Change Management - und die meisten Fusionen scheitern bekanntlich wegen ungenügender Post-Merger-Integration. Zercher von Procter & Gamble
predigt deswegen: "Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation - und keine Angst vor Wiederholungen. Denn das Vertrauen der Mitarbeiter ist ein wertvolles Gut, das schnell beschädigt werden kann. Und je weniger Sie kommunizieren, desto mehr wird spekuliert." Es komme auch darauf an, sich schnell und aktiv um die Topmitarbeiter zu kümmern und allen Mitarbeitern zügig verbindliche Perspektiven zu geben. Zercher: "Die Headhunter warten mit Sicherheit nicht."
Bei HVB Information Services gibt es mittlerweile viel interkulturelles Training. Auch Rausch hat einen Crashkurs besucht. Viele Mitarbeiter lernen Italienisch, obwohl die neue Konzernsprache Englisch ist. "Das Jahr 2006 war das Jahr der Anpassung, 2007 soll das Jahr der Transformation werden. Wir sind noch mitten im Prozess", sagt Rausch.
Und am Schluss ruckelt sich, so scheint es, vieles von selbst zurecht: "Zu Beginn steht die Sicht des übernehmenden Unternehmens. Über die Zeit setzt sich durch, was inhaltlich am besten ist: die Kombination des italienischen Temperaments zusammen mit deutscher Gründlichkeit", sagt Rausch. Er ist mittlerweile gefragter Referent für Fusionsfragen und spricht auf vielen Konferenzen über IT in Merger-Situationen. "Viele Zuhörer stellen sich wohl die Frage, ob nicht möglicherweise bei ihnen auch bald eine internationale Fusion ansteht."
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