Von Marleen Gründel
Konferenz mit London und Shanghai
Wie auf den Bildschirmen sichtbar, ist Müller inzwischen dabei, mit seinem Notebook eine Präsentation zu starten. Schließlich soll ja immer noch das Managerauto der Zukunft gefunden werden. Kurze Zeit später erscheinen unterhalb der Monitore auf einer Leinwand vier verschiedene Autotypen, aus denen die Besucher ihr Lieblingsmodell auswählen sollen. Auch über die Ausstattung des Pkws dürfen die Teilnehmer abstimmen. Schließlich entscheiden sich die potenziellen Kunden für ein SUV (Sports Utility Vehicle) mit Chauffeur, Internetanschluss und eingebautem Fernseher.
Dann übernehmen Müllers Kollegen das Wort und erklären den Interessenten im Raum die nüchternen Fakten des Cisco-Konferenzsystems. Ein wenig trocken und unbeholfen - schließlich sind nicht alle T-Systems-Mitarbeiter als Schauspieler geboren - verkünden die virtuellen Experten, dass ab sofort mehrere reale Standorte durch die Tele-Presence-Lösung miteinander verbunden werden können. So könnten beispielsweise die Firmenchefs in Hamburg gleichzeitig mit einem Kunden in London und einem unternehmensinternen Experten aus Shanghai konferieren. Einzige Voraussetzung dafür sei eine Internetverbindung mit einer Geschwindigkeit von 15 Megabyte pro Sekunde und genügend Platz für den virtuellen Konferenztisch.
Kein Schnäppchen
Abgesehen davon sollte ein potenzieller Kunde aber auch über eine gut gefüllte Unternehmenskasse verfügen. Schließlich ist die Tele-Presence-Lösung von Cisco mit knapp 300.000 Dollar nicht gerade ein Schnäppchen. Dafür kümmern sich die Mitarbeiter des US-Netzwerkspezialisten aber immerhin um Aufbau und Wartung des Systems. Laufende Kosten fallen dem Hersteller zufolge nicht an.
Trotz der hohen Anschaffungskosten zeigen die Konzerne durchaus Interesse an der Konferenzlösung. So hatten sich für die Demonstration des Systems auf der Cebit mehrere namhafte Unternehmen angemeldet, darunter auch Microsoft
und Volkswagen
. In den viertelstündigen Vorführungen mussten viele Firmenvertreter in der zweiten Reihe stehen, anstatt die Technologie direkt am Konferenztisch erleben und somit auch an der Gestaltung des Managerautos der Zukunft mitarbeiten zu können.
Die Idee, solch einen Wagen entwickeln zu wollen, wurde am Schluss der Präsentation übrigens wieder verworfen: Der virtuelle Müller stellte fest, dass Manager durch die Tele-Presence-Lösung kaum noch reisen müssten, da sie ja über das System realitätsnah mit ihren Kollegen und Kunden kommunizieren könnten. So wurde das Managerauto der Zukunft am Ende der Konferenz wieder ad acta gelegt.
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