Von Anja Tiedge
mm.de: Ihr Mann ist in Deutschland geboren, Sie haben lange Zeit hier gelebt. Warum haben Sie das Unternehmen in China errichtet und nicht in Deutschland?
Chung: Dafür gibt es mehr als einen Grund. Die Firma muss auf dem internationalen Markt konkurrenzfähig sein. In Deutschland gibt es leider viele Vorschriften und langsame Genehmigungsverfahren. Alles ist sehr teuer - ob Büro, Rechtsanwalt oder Mitarbeiter. Mein Mann und ich haben viele Leute gefragt und die Standorte verglichen. Für unsere Firma war es einfach viel besser, in China anzufangen.
mm.de: Was kostet es ein Unternehmen, seinen Auftritt von ACS gestalten zu lassen?
Chung: Normalerweise kostet ein Auftritt 5000 bis 10.000 US-Dollar. Mit diesem Preis sind wir unschlagbar und auch sehr gut ausgebucht. Zurzeit suchen wir 30 neue Mitarbeiter in Wuhan.
mm.de: Wie hoch sind Umsatz und Gewinn?
Chung: Das möchte ich nicht sagen. Ich kann aber verraten, dass wir profitabel sind und ein Wachstum von mehr als 10 Prozent pro Monat haben.
mm.de: Können Sie Unternehmen aus dem "ersten" Leben dazu raten, Second Life als Marketingplattform zu nutzen?
Chung: Natürlich ist der Hype um das Spiel momentan besonders groß. Es gibt aber viele Fälle, in denen es Sinn macht, Second Life als Plattform zu nutzen. Ein Unternehmen sollte versuchen, in Interaktion mit den Bewohnern zu treten. Das erreichen die meisten allerdings nicht. Ich warne besonders vor sogenannten One-off-Kampagnen, bei denen ein Auftritt in Second Life entwickelt und dann nichts mehr daran geändert wird. So funktioniert das aber nicht, denn in Second Life wird ein Ort, der nicht ständig verändert wird, nicht mehr besucht. Daher ist es wichtig, dass der Auftritt weiterentwickelt und jeden Monat etwas Neues geboten wird - ein Produkt, ein Spiel oder eine Attraktion.
mm.de: Wie sieht in Ihren Augen die Zukunft von Second Life aus - und welche Rolle wird Anshe dabei spielen?
Chung: Second Life - oder etwas Besseres als Second Life - wird irgendwann so realistisch, dass die menschliche Wahrnehmung es nicht mehr von der Realität unterscheiden kann. Es wird überall sein und stärker präsent im normalen Alltag als heute das Internet.
Für meine Zukunft hoffe ich, dass ich vielen Menschen dabei helfen kann, in der virtuellen Welt kreativ zu sein und gemeinsam mit den anderen Bewohnern Spaß zu haben oder ein gutes Geschäft aufzubauen. Auf jeden Fall wird meine Zukunft nicht nur in der virtuellen Welt liegen.
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