Von Simon Hage
München - Der Computerpionier sitzt in einem fensterlosen Besprechungszimmer der Münchener Messehallen. Die Kammer ist höchstens zehn Quadratmeter groß und wird von Neonlicht erhellt. Steve Wozniak sitzt hinter einem Schreibtisch, trägt Baumwollpullover, Bart und Bauch. Seine kräftigen Hände hat er vor sich auf den Tisch gelegt.
Steve Wozniak kam im August 1950 in Sunnyvale, im heutigen Silicon Valley, zur Welt. Von 1971 an arbeitete er als Ingenieur für Hewlett Packard. Vier Jahre später baute Wozniak in der Garage von Steve Jobs den Prototyp des Apple I. Gemeinsam mit Ronald Wayne gründeten Wozniak und Jobs 1976 Apple. 1980 unternahm die Computerfirma den größten Börsengang seit Ford. Nach einem Flugzeugabsturz im Februar 1981 entschied sich Wozniak, sein Leben zu ändern. Er holte seine Abschlüsse an der Universität von Berkeley nach, 1985 verließ er Apple. Von seinem Ex-Arbeitgeber erhält Wozniak immer noch rund 10.000 Dollar pro Jahr. Eine neue Firma für Universalfernbedienungen floppte. Wozniak war dreimal verheiratet und hat aus zweiter Ehe drei Kinder.
Seit damals hat sich viel verändert. "Bei PCs ist die Zeit der großen Erfindungen längst vorbei", sagt er. Früher reichten noch Garage, Grips und Genialität für eine weltbewegende Erfindung. Junge, unbedeutende Technikfreaks wie Wozniak hatten noch eine reale Aufstiegschance - trotz Geldmangels und fehlenden Hochschulabschlusses. Sie saßen in Kellerräumen, löteten Chips auf Platinen fest und gründeten später erfolgreiche Technologiekonzerne.
Wer die Jungs damals zu Höchstleistungen angespornt hat? Natürlich Wozniak und seine Erfindung, glaubt zumindest der Schöpfer selbst: "Sie alle haben vom Apple II gelernt." Doch Ingenieure seines Schlages sind offenbar ausgestorben: "Es wird immer schwieriger, Leute zu finden, die so sind, wie ich war." Während Wozniak noch lernte, wie man Mikroprozessoren oder Radioschaltungen baut, denken Computerspezialisten inzwischen viel spezialisierter, sagt der PC-Erfinder: "Wir wachsen in einer digitalen Welt auf, und die Leute wollen nur noch das Programmieren lernen."
Forschen und Entwickeln bleibt heute großen Konzernen wie Microsoft
, Intel
oder IBM
vorbehalten. "Da hat der kleine Erfinder kaum eine Möglichkeit, reinzukommen", bedauert Wozniak, "weil er nichts bieten kann, was substanziell genug ist, um Beachtung zu finden." Hard- und Software sind inzwischen Massenware geworden - was gibt es da noch Neues zu erfinden?
Vor diesem Problem steht auch Wozniak selbst. Wer vom Vater des Heimcomputers beeindruckende Zukunftsvisionen erwartet, wird enttäuscht. Wozniak spricht über immer kleinere und leistungsfähigere Chips, energiesparende Bildschirme und Breitbandinternet - nichts atemberaubend Neues. Pläne für weitere weltbewegende Innovationen hat er wohl nicht mehr in der Schublade. Sein Ziel, bezahlbare Computer in die privaten Wohn- und Arbeitszimmer zu bringen, hat Wozniak längst erfüllt.
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