Von Anja Tiedge
"Google soll die Sachen packen"
Mit dem Versuch, seine Marke europaweit schützen zu lassen, ist Google
erst vor wenigen Tagen beim Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt (HABM) auf Ablehnung gestoßen. Giersch erklärt dies mit den älteren und stärkeren Rechten, die er als EU-Bürger gegenüber dem amerikanischen Konzern hat. Google hat nun zwei Monate Zeit, Beschwerde vor dem HABM einzulegen.
Vieles an dem Fall "Giersch gegen Google" deutet auf eine endlose Geschichte hin. Laut Google-Sprecher Stefan Keuchel versuchte Giersch auch schon, sich die Markenrechte auf EU-Ebene zu sichern. "Wir haben dagegen Widerspruch eingelegt, woraufhin Giersch seinen Antrag zurückzog", erklärt Keuchel. Er ist sich sicher, dass Google im Markenrechtsstreit außerhalb Deutschlands und Großbritanniens am längeren Hebel sitzt. "Dort müssen wir unseren Dienst nicht umbenennen - und das bleibt auch so." Das hänge auch damit zusammen, dass sich Googles Gmail von der Marke "G-mail … und die Post geht richtig ab" unterscheide, die durch Giersch geschützt ist.
Doch auch Giersch ist davon überzeugt, dass er den "kleinen Internetkrieg" gewinnt, wie er den Streit mit Google nennt. Er vergleicht die Auseinandersetzung mit einem Nachbarschaftszwist. "Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Haus und Ihr neuer Nachbar stellt Ihnen seines nicht nur direkt vor das Fenster - er macht auch noch ein Barbecue in Ihrem Garten." Er wolle lediglich ganz legale Geschäfte machen und sein eigenes Süppchen kochen. "Google soll einfach die Sachen packen", sagt Giersch und klingt dabei fast beleidigt.
Dabei müsste Giersch, der heute in Los Angeles lebt und mit der Hollywood-Schauspielerin Kelly Rutherford verheiratet ist, eine gewisse Routine in Auseinandersetzungen haben. Als Open BC (jetzt Xing) im Herbst 2006 an die Börse ging, klagte er gegen die Kontaktplattform. Das Unternehmen soll ein Joint Venture mit Giersch, an dem dieser 51 Prozent hielt, unrechtmäßig gekündigt haben.
"Ich habe das Postmonopol gebrochen"
Seinen bisher folgenreichsten Streit trug er jedoch bereits vor zwölf Jahren mit der Deutschen Post aus. Als damals 20-Jähriger gründete Giersch einen Kurierdienst und machte der Post damit ihr Monopol streitig. Es folgten millionenschwere Klagen, die der Jungunternehmer für sich entscheiden konnte. "Ich habe das Postmonopol gebrochen", sagt er heute stolz.
Über den Rummel um seine Person und sein Unternehmen zeigt sich der Geschäftsmann wenig erfreut: "Ich wurde schon von Gmail-Nutzern bedroht und als Domaingrabber oder Wegelagerer beschimpft", sagt er. Eine finanzielle Einigung mit dem Konzern kommt für Giersch trotzdem nicht infrage. Google habe ihm bereits vor zwei Jahren 250.000 Dollar geboten. "Eine tickende Zeitbombe", wie er meint. "Google bot mir diese lächerliche Summe an mit dem Hinweis, dass sie mit jedem Tag, an dem ich mich wehre, kleiner werden würde", sagt Giersch empört. Außerdem habe ihm der Konzern eine Klage angedroht. So etwas lasse er nicht mit sich machen. "Ein unabhängiges Institut in England fand heraus, dass die Marke Gmail rund 50 Millionen Euro wert ist."
Doch selbst auf diese Summe würde sich Giersch nicht einlassen. Er wolle nichts von Google - nur seine Marke und damit sein Recht. Auf das Geld könne der selbsternannte Selfmade-Millionär verzichten. Der Jungunternehmer ist ohnehin davon überzeugt, dass er den Rechtsstreit mit Google gewinnen wird. "Bisher habe ich immer gewonnen - dieses Mal auch."
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