Von Marleen Gründel, Potsdam
"In China ist es erlaubt, reich zu werden"
Merkel hat die Stärkung des IT-Standorts Deutschland zur Chefsache erklärt. Schließlich liegt die Branche mit einer Bruttowertschöpfung von 90 Milliarden Euro auf Platz eins der Industriesektoren in Deutschland – noch vor dem Maschinen- und Automobilbau. Doch international gesehen verlieren deutsche Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Die USA haben am weltweiten IT-Markt einen Anteil von 28 Prozent, Deutschland hält nur magere 6,8 Prozent.
Was also ist zu tun, damit der Standort Deutschland wettbewerbsfähiger wird, fragte Merkel ihre Gäste auf dem Gipfel. Die Antworten der Wirtschaft auf diese Frage waren nicht neu. SAP-Chef Henning Kagermann forderte beispielsweise eine verstärkte Rekrutierung von Toptalenten. "Wir müssen weltweit und offensiv für den Standort Deutschland werben, damit die besten Köpfe zu uns kommen", so Kagermann. Immerhin meldeten über 40 Prozent der IT-Unternehmen Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Personal.
SAP-Kollege und Aufsichtsratschef Plattner glaubte, den Grund für das geringe Interesse der jungen Leute an der IT zu kennen: "Es ist in China - wohlgemerkt ein kommunistisches Land - erlaubt, reich zu werden." In Deutschland gebe es dagegen so hässliche Dinge wie die Reichensteuer. "Junge Menschen müssen die Gelegenheit haben, nicht nur erfolgreich, sondern auch reich zu werden", forderte Plattner.
Aus Quaero wird Theseus
Telekom-Chef Obermann sprach sich für die Entwicklung eines Clusters für IP Services aus. Und Ebay-Deutschland-Chef Groß-Selbeck will über den Verein "Deutschland sicher im Netz" kleine und mittlere Unternehmen sowie private Nutzer über die Sicherheit im Internet aufklären.
Die Vertreter der Politik wollten denen der Wirtschaft natürlich in nichts nachstehen. So berichtete Staatssekretär Hartmut Schauerte, der den überraschend abgereisten Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) vertrat, von drei "Leuchtturmprojekten", die gemeinsam von Politik und Wirtschaft entwickelt und umgesetzt werden sollen. Eines davon ist bereits bekannt, trägt allerdings einen neuen Namen: Von dem Projekt Theseus erhofft sich die Bundesregierung die Entwicklung einer effektiveren Suchmaschine, die intuitiv zu bedienen sein soll.
Eigentlich sollte diese Technologie gemeinsam mit Frankreich unter dem Namen Quaero entwickelt werden, doch nun prescht Deutschland allein vor, um schneller und effizienter voranzukommen. "Es herrscht aber keine Funkstille bei diesem Projekt mit Frankreich", bemühte sich Schauerte den Anschein einer Unstimmigkeit zu verhindern.
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