Donnerstag, 9. Februar 2012, 15:25 Uhr

manager magazin



19.12.2006
 

IT-Gipfel

Frau Merkel und die IT-Offensive

Von Marleen Gründel, Potsdam

Einst wurde hierzulande der PC erfunden, heute kommen die meisten IT-Produkte aus Asien oder den USA. Dies muss unbedingt geändert werden, meint Kanzlerin Angela Merkel. Auf dem ersten nationalen IT-Gipfel überlegte sie deshalb gemeinsam mit ausgewählten Topmanagern, wie der IT-Standort Deutschland gestärkt werden kann.

Potsdam – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gehörte auf dem ersten nationalen IT-Gipfel einer Minderheit an: Nur 16 weibliche Teilnehmerinnen wurden zu der Veranstaltung nach Potsdam eingeladen – das waren noch nicht einmal 10 Prozent der rund 220 Gäste aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft.

Doch nicht nur diese ungleiche Verteilung, die charakteristisch für die IT-Branche ist, bereitet der Bundeskanzlerin Sorgen. Zu schaffen macht ihr vor allem, dass die Mehrheit der hochmodernen IT-Produkte inzwischen nicht mehr aus Deutschland kommt, sondern aus Asien oder den USA. Und das obwohl der Computer einst in Deutschland erfunden wurde.

Merkel befindet sich deshalb auf der Suche. Auf der Suche nach Antworten auf die Frage, wie der IT-Standort Deutschland gestärkt werden kann und "Made in Germany" auch für deutsche IT-Produkte wieder zu einem Qualitätssiegel wird.

Und wer könnte diese Antworten wohl besser liefern als diejenigen, die direkt von diesem Problem betroffen sind, so Merkels Hoffnung. Aus diesem Grunde hat sie Führungskräfte von verschiedenen IT-Unternehmen in das Hasso-Plattner-Institut (HPI) nach Potsdam geladen, unter anderem den neuen Telekom-Chef René Obermann, Ebay-Deutschland-Chef Stefan Groß-Selbeck und Harald Stöber von Arcor.

Der Veranstaltungsort wurde bewusst gewählt. Ursache für den zunehmenden Wettbewerbsverlust ist schließlich nicht zuletzt auch der Mangel an IT-Fachkräften in Deutschland, vor allem an weiblichen, wie auf dem Gipfeltreffen festgestellt werden konnte. Das von SAP-Mitbegründer Hasso Plattner finanzierte HPI, an dem der IT-Nachwuchs kostenlos unterrichtet wird, ist eine Vorzeigeuniversität hinsichtlich der Ausbildung und der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Doch die Entscheidung für ein vollständig privat finanziertes Institut wirft gleichzeitig ein schlechtes Licht auf die öffentlichen Bildungsstätten des Landes. Es scheint so, als ob sie nicht gut genug für dieses wichtige Prestigeprojekt der Bundesregierung sind.

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