Donnerstag, 9. Februar 2012, 23:18 Uhr

manager magazin



14.12.2006
 

Web-2.0-Studie

Nutzer an die Macht

Die Möglichkeiten des Web 2.0 entwickeln sich mehr und mehr zu einem zweischneidigen Schwert. Eine Untersuchung der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton zeigt, dass das "Mitmach-Web" durchaus umsatzträchtig ist - für viele Unternehmen aber auch zum Verhängnis werden kann.

München - Rund 12,4 Millionen Deutsche aller Altersgruppen nutzen unabhängig von Geschlecht oder Ausbildung interaktive Anwendungen wie Communities, Blogs und virtuelle Kontaktbörsen. Das ist das Ergebnis einer internationalen Untersuchung der Strategie- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton über das Nutzerverhalten von Web 2.0. Im Rahmen der Studie sind in Deutschland, Großbritannien und den USA etwa 2400 Internetnutzer zu ihrer Einstellung gegenüber Web 2.0-Angeboten wie MySpace oder Open BC/Xing und ihrem konkreten Nutzerverhalten befragt worden.

Freie Meinung im Netz:  Mehr als zwölf Millionen Deutsche nutzen die Möglichkeiten des Web 2.0
[M] DPA ; mm.de

Freie Meinung im Netz:
Mehr als zwölf Millionen Deutsche nutzen die Möglichkeiten des Web 2.0

Rund die Hälfte der Nutzer von Web-2.0-Anwendungen verlässt sich bei Kaufentscheidungen auf Empfehlungen, die in den Foren gegeben werden. "Dort werden Erfahrungen mit Produkten und Preisempfehlungen ausgetauscht, auf die potenzielle Kunden vertrauen", sagt Stefan Eikelmann, Geschäftsführer von Booz Allen Hamilton.

Diese Verschiebung der Marktmacht in Richtung des Kunden böte demnach für Unternehmen aller Branchen Chancen wie die Entstehung neuer Geschäftsmodelle. Die Umfrage zeigt beispielsweise eine deutliche Nachfrage nach mobilen Web-2.0-Diensten: Rund 58 Prozent der deutschen MySpace-Nutzer gaben an, das Angebot auch von unterwegs zu nutzen.

Gekaufte Blogger für Positivbewertung

Doch das Web 2.0 birgt aus Sicht der Strategieberatung auch Risiken. Das Internet der zweiten Generation sei laut Eikelmann ein zweischneidiges Schwert, dessen Umgang von den Unternehmen erst erlernt werden muss. Als Negativbeispiel nennt er einen amerikanischen Handelsriesen. Das Unternehmen beauftragte mehrere Blogger, im Netz Nachrichten zu hinterlassen, die dem Konzern förderlich sein könnten. "Innerhalb von 24 Stunden wurde von anderen Nutzern aufgedeckt, dass die Blogeinträge gefälscht waren. So etwas verzeiht die Community nicht", sagt Eikelmann.

Transparenz und Ehrlichkeit würden deshalb in der Unternehmenskommunikation immer wichtiger. "Die Verbraucher springen nicht mehr auf einfache Reklame an. Werbung muss so eingebunden sein, dass sie der Kunde als normalen Bestandteil einer digitalen Welt wahrnimmt", meint Eikelmann.

Die steigende Akzeptanz von Web-2.0-Diensten ist der Studie zufolge auch ein wichtiger Treiber der wachsenden Internetökonomie. Beliefen sich die Gesamtumsätze aus elektronischem Handel, kostenpflichtigen Diensten und Werbung im Jahr 2005 noch auf 17,1 Milliarden Euro, so geht Booz Allen Hamilton bereits für 2008 von einem Gesamtvolumen von 39,5 Milliarden Euro für Internetdienstleistungen in Deutschland aus.

Das größte Potenzial der Internetökonomie – mit jährlichen Wachstumsraten von 60 Prozent – liegt dabei in kostenpflichtigen Diensten wie Musikdownloads, Premium-Mitgliedschaften oder Onlinespielen. Bereits 2008 werden die deutschen Internetnutzer Booz Allen Hamilton zufolge insgesamt 6,4 Milliarden Euro für kostenpflichtige Onlinedienste ausgeben. Das Gesamtvolumen für Onlinewerbung steigt im selben Zeitraum von 1,3 Milliarden Euro auf 2,8 Milliarden Euro, der Internethandel wächst mit jährlich 35 Prozent auf 35 Milliarden Euro in 2008.

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