"Long Tail" der Öffentlichkeit
Die Summe der unüberschaubaren Menge an Einzelhandlungen schaffe, ohne von den Handelnden selbst beabsichtigt zu sein, private Öffentlichkeiten. Medienexperten sprechen hierbei vom " Long Tail" des Öffentlichkeitsspektrums, in welchem eben jene Blogger, Podcaster und YouTuber auf ihr Publikum treffen. Eine höchst spezialisierte Öffentlichkeit, die jedoch, und das zeigt das Beispiel Kononowicz auf eindrucksvolle Weise, nicht unterschätzt werden sollte. Aufgrund der komplexen Selektionsprinzipien können Inhalte im Web 2.0 eine kaum kontrollierbare Eigendynamik entwickeln.
Neben der Überlappung der Öffentlichkeiten und den neuen Selektionsmechanismen sieht Schmidt ein drittes Merkmal der Web-2.0-Öffentlichkeit in ihrer Hierarchie. So setzen die neuen Internetphänomene zwar die Schwelle zur Öffentlichkeit in erheblichem Maße herab, jedoch entstehen zentrale Netzwerkknotenpunkte, die dafür sorgen, dass viele Inhalte wenig Aufmerksamkeit erhalten, während ein geringer Anteil an im Web bereitgestellten Inhalten vom Publikum überrannt wird.
Leitideen der neuen Internetangebote, die Medienexperte Schmidt in seinen Forschungen ausmachen konnte, und ohne die jede noch so ehrgeizig geplante PR-Kampagne nicht die Akzeptanz der User erhält, ist die persönliche Authentizität der Inhalte. Ein Großteil der User versteht Plattformen wie YouTube oder Podcast als dezentralisierte Gegenöffentlichkeit zu konventionellen Medienangeboten.
So wird über Blogs, die sich als geplante Werbestrategie eines Unternehmens herausstellen, in der Community äußerst kritisch diskutiert. Der stotternde Bürgermeisterkandidat eines polnischen Provinznests an der Grenze zu Weißrussland wäre sicherlich nicht zum Kult geworden, wäre sein peinlicher Auftritt von vornherein als durchdachte Propaganda erkannt worden.
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