Von Gerrit Pohl
An manchen Tagen begibt man sich ja schon einmal in die Plattenabteilung eines Kaufhauses, um Ausschau nach potenziell interessanter Musik zu halten. Das funktioniert auch, solange sich die Auswahl auf weitestgehend populäre Titel beschränkt. Fast immer zu haben: Das angeblich Beste aus den vergangenen vier Jahrzehnten und von heute. Weitaus schwieriger: Alles, was da nicht zugehört.
Und das muss nicht nur Künstler betreffen, deren Anhängerschaft seit jeher überschaubar ist. Auch Genres wie Jazz, Blues oder Klassik und viele andere haben im auf Mainstream und Massenverkauf konzentrierten Einzelhandel zunehmend schlechte Karten. Kurzum: Die Suche nach dem musikalischen "Long Tail" führt hier häufig nur zu einem langen Gesicht.
Im Internet ist zumindest in physischer Hinsicht ebenfalls nicht mehr alles zu haben. Häufig endet eine entsprechende Suche auch bei den großen Anbietern mit einem lapidaren "Führen wir nicht mehr"-Hinweis.
"Onlineversender beziehungsweise deren Zulieferer - also die Musikindustrie - müssen die angebotenen Platten ja auch am Lager haben", erklärt Michael Pütz, Marktforscher bei Sony BMG. "Das ist für den kompletten Long Tail so natürlich nicht möglich".
Was dann noch bleibt, sind Flohmärkte und Auktionsplattformen. Oder aber gleich der Wechsel ins komplett Digitale. Das Web gilt aufgrund der günstigen Kostenstruktur als prädestiniert, um auch die unzähligen Künstler anzubieten, die zwar nur selten, aber immerhin doch ab und zu gekauft werden.
"Wir wissen von einigen der bekannten Downloadportale, dass etwa 90 Prozent aller verfügbaren Stücke mindestens einmal pro Monat gekauft werden", sagt Stefan Schulz von Universal Music Digital. "Auch für uns spielt das Internet eine sehr große Rolle. Im traditionellen Handel bieten wir ja insbesondere Katalog-Highlights an. Online sind dagegen ständig bis zu drei Millionen Titel im Angebot - eine Vielfalt, die woanders nicht möglich wäre."
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