Von Hasnain Kazim und Christian Stöcker
Frage: Die Anzahl der Google-Produkte wird langsam unüberschaubar - welche Strategie verfolgt Google eigentlich?
Schindler: Wir haben eine ganz einfache Mission: Wir wollen die Information dieser Welt organisieren und den Menschen einfach zur Verfügung stellen. Informationen sind nicht nur textbasiert – da sind wir schon ziemlich weit – sondern auch audiovisuell, in Büchern gespeichert, Geoinformationen spielen eine Rolle, Information, die bei Kommunikation entsteht, und so weiter. Ich finde bei Google kein Produkt, das man nicht dieser Mission zuordnen könnte.
Frage: Kalender, Tabellenkalkulation, Textverarbeitung – das sind ziemlich private Informationen, die man nicht unbedingt der ganzen Welt zur Verfügung stellen möchte …
Schindler: Das stimmt. Und darum entscheidet der Nutzer bei den angesprochenen Produkten selbst darüber, wer diese Dokumente sehen oder bearbeiten darf. Die Mission von Google schließt natürlich nicht ein, gegen privaten Datenschutz zu verstoßen. Die entscheidende Regel, an die wir uns halten, ist die, dass der Konsument am Ende selbst entscheiden muss, welche Informationen er uns zur Verfügung stellen möchte.
Frage: Wenn ein Unternehmen zu groß wird, ändert sich unter Umständen irgendwann das Bild – wie gehen Sie dagegen an, als mächtiger, skrupelloser Konzern, als mysteriöse Datenkrake wahrgenommen zu werden?
Schindler: Das ist ein Thema, das wir extrem ernst nehmen. Niemand muss Google oder Google-Produkte nutzen, alle Nutzer kommen freiwillig. Wir haben keine Leitungen verbuddelt, wir vertreiben keine vorinstallierten Betriebssysteme. Google wird nur deshalb benutzt, weil Konsumenten uns attraktiv finden, wir sind immer nur einen Klick davon entfernt, nicht mehr genutzt zu werden. Wir müssen zurückhaltend und bescheiden auftreten, in all dem was wir tun, gerade weil wir so groß sind. Der Erfolg von Google steht und fällt mit dem Vertrauen der Nutzer.
Ein konkretes Beispiel: Wir sind massiv dabei, in der ganzen Welt lokale Entwicklungsstudios aufzubauen, etwa in Norwegen und in der Schweiz – weil wir festgestellt haben, dass der Konsument ein hohes Maß von Lokalisierung in seinen Produkten wünscht. Wir dürfen keine ausschließlich amerikanische Sichtweise haben, sonst laufen wir in die Richtung, die Sie mit Ihrer Frage andeuten.
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