Von Eva-Maria Simon
Keine Angst vor den Blicken des Chefs
Die Kontrolle des Chefs scheinen viele Beschäftigte aber gar nicht zu fürchten, wie eine aktuelle Umfrage unter Kunden von Webacad, einem Anbieter von E-Learning-Programmen, zeigt: 77 Prozent der Befragten erklärten, dass ihr Vorgesetzter die Lernergebnisse überhaupt nicht prüfe. Rund zwei Drittel der Mitarbeiter nutzen das E-Learning-Angebot ihres Unternehmens - im Jahr 2002 war es nur die Hälfte.
Die elektronisch gestützte Weiterbildung scheint also in den Büros angekommen zu sein. Kunden von Webacad nutzen E-Learning-Programme, weil sie dadurch nach individuellem Lerntempo arbeiten können, Fallbeispiele nutzen und nicht an einen Ort gebunden sind.
Allerdings spielen die vielen Bausteine des Web 2.0 noch in den wenigsten Unternehmen eine tragende Rolle. "Weblogs oder Foren werden selten mit Lernen in Verbindung gebracht", erklärt Oliver Hoffmann, Projektleiter bei Webacad. Solche Informationssammelstellen gehören eher in die Sparte Wissensmanagement, sie werden vor allem in PR-Abteilungen oder in der Finanzverwaltung genutzt.
Didaktik mit Podcast
E-Learning dagegen sei "die elektronische Form eines Seminars", erklärt Experte Hoffmann. Ein solches Seminar müsse didaktisch aufgebaut sein. Auf lange Sicht könne er sich Mischformen vorstellen, etwa eine virtuelle Schulung mit anschließender Zusammenfassung per Podcast.
Trotz dieser schönen neuen Lernwelt müssen Weiterbildungskräfte nicht um ihren Arbeitsplatz fürchten - das verspricht zumindest die Studie. Die meisten Nutzer betrachten E-Learning als Ergänzung, nicht als Ersatz für Seminar und Schulung.
So sehen es auch Fachleute: "Blended Learning, also ein Methodenmix, ist am besten", erklärt Michael Repnik, Geschäftsführer des E-Learning-Anbieters Learn Champ. Der Kontakt zu echten Menschen sei nach wie vor unverzichtbar. Während des Dotcom-Booms hätten viele Unternehmen elektronische Trainingsangebote angeschafft, ohne die Mitarbeiter richtig einzuweisen. Oft habe die Technik schlecht funktioniert und ein Trainer als zusätzlicher Ansprechpartner habe gefehlt.
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