Von Andreas Neef und Willi Schroll
Trend 5: Das Web wird intelligenter
Web 2.0-Dienste mit Sharing-Charakter funktionieren nur durch das clevere Zusammenspiel verschiedener Komponenten. Das Geheimnis des Erfolgs: Eine Plattform wie Flickr muss User motivieren, mit ein paar Klicks ihren Beitrag zu leisten und sie muss umgekehrt die gigantische Summierung der zugeführten Beiträge für den User attraktiv aufbereiten.
Im Fall von Flickr heißt dies, dass der User selbst die Schlüsselworte vergibt, um nachher die Auffindbarkeit der Bilder für andere User zu gewährleisten. Gerade bei einer Foto-Community wird sehr deutlich, wie wichtig diese Kategorisierung ("Tagging") ist - ohne derartige Tags wären die Bilderwelten nicht durchsuchbar, also unzugänglich und nutzlos für die anderen User.
Das "Tagging" begegnet uns auf vielen Web 2.0-Portalen, bisweilen ergänzt um Bewertungs- Mechanismen. Such- und Ranking-Algorithmen sorgen dann dafür, dass der User bevorzugt diejenigen Inhalte zu sehen oder hören bekommt, die von anderen bereits positiv selektiert wurden. Bekannt ist das Prinzip auch in Online-Shops wie Amazon: Durch Auswertung der Clickstreams ist es möglich, die Kaufentscheidungen und Interessen "gleichgesinnter" Käufer an den User weiterzugeben und auf diese Weise vernünftige Vorschläge zu unterbreiten.
All diese Mechanismen zapfen gewissermaßen die Hirne und das wertvolle Wissen der User an. Die resultierende kollektive Intelligenz wird direkt in die Strukturen des Web eingespeist. Das Web wird also intelligenter - und zwar durch die "Weisheit der Massen" (James Surowiecki). Dank der Effekte kollektiver Intelligenz profitieren alle Nutzer von dem millionenfachen Input von Wissen und Wertung. Dank Tagging verbessert sich die Semantik und Auffindbarkeit. An die Stelle einer neuen und aufwändigen Architektur, die von oben über das Web gestülpt wird ("Semantic Web Project"), wachsen jetzt verteilt viele semantikfähige Webs "von unten".
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