Von Marleen Gründel
mm.de: Welche Produkte sind Ihrer Meinung nach zwar noch Zukunftsgerede, aber trotzdem sinnvoll?
Scherer: Ein bedeutender Bereich wird künftig das intelligente Bestandsmanagement sein, das beispielsweise im heimischen Arzneimittelschrank eingesetzt werden kann. Wenn die Medikamente mit einem RFID-Chip ausgestattet sind, erkennt das System, wie viele Tabletten bereits verbraucht wurden und ob die Arzneimittel eventuell nachbestellt werden müssen. Das könnte dann zum Beispiel direkt über ein elektronisches Rezept in Auftrag gegeben werden.
Wenn in einem solchen System Ärzte, Krankenkassen und Apotheken mitspielen, könnten bis zu 16,5 Milliarden Euro eingespart werden. Denn momentan wird die Hälfte der Medikamente entweder falsch eingenommen oder wegen Ablauf des Verfalldatums weggeschmissen, weil zu große Mengen angeschafft wurden. Technisch ist so ein System kein Problem mehr, allerdings wird es schwierig sein, so etwas gegen den Willen der Pharmaindustrie durchzusetzen.
mm.de: Viele Menschen haben aber genau vor so einer Technologisierung des Alltags Angst. Wie "denkend" sollten die eigenen vier Wände Ihrer Meinung nach überhaupt sein?
Scherer: Jeder, der mit einem Flugzeug fliegt, vertraut sich bereits einem Computer an. Die Piloten übernehmen nur noch einen Bruchteil der Arbeit selbst. Auch im Auto haben wir uns inzwischen an Computer gewöhnt: Beim Bremsen sorgt das Anti-Blockier-System dafür, dass wir nicht von der Straße abkommen, das Navigationssystem führt uns schneller ans Ziel und die Zentralverriegelung sorgt dafür, dass wir automatisch alle Türen abschließen. So etwas gibt es bei Häusern zum Beispiel nicht, obwohl es sinnvoll wäre. Die Angst vor mitdenkenden Systemen ist daher unbegründet.
mm.de: Wie aufgeschlossen stehen die Unternehmen den Innovationen aus Ihrem Hause gegenüber?
Scherer: Die Betriebe reagieren an sich sehr positiv auf unsere Ideen. Natürlich auch, weil sie sich davon selbst Vorteile versprechen - schließlich finanzieren sie unsere Arbeit zu einem Drittel mit. Allerdings ist die praktische Umsetzung oft schwierig, weil die Unternehmen vor allem im Marketing nicht zusammenarbeiten. Jeder Betrieb stellt nur sein eigenes Produkt vor - dabei wären Bauherren sicherlich überzeugter, wenn sie das ganze Konzept zu sehen bekämen.
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