Von Jürgen Frisch und Hermann Gfaller
Kleine Anbieter, begrenzte Ressourcen
Anwender, die solche Komplexität vermeiden wollen und auf einen angestammten Mittelstandsanbieter setzen, sehen sich mit einer ganz anderen Unsicherheit konfrontiert: Insbesondere die hiesigen Standardsoftwerker leiden notorisch unter Geldmangel und verfügen nur über eng begrenzte Entwicklungsressourcen.
Gleichzeitig etablieren sich mit Java, Webservices und der serviceorientierten Architektur (SOA) moderne Technologien, auf die eine Software bald nicht mehr verzichten kann. Sie senken durch flexible Schnittstellen und komponentenbasierte Architekturen den Entwicklungsaufwand, ermöglichen webbasierte Prozesse und erweitern zudem durch Plattformunabhängigkeit die Zielgruppe.
Das Dilemma aus Finanzknappheit und hohem Entwicklungsbedarf hat viele mittelständische Anbieter überfordert und in die Arme von internationalen Softwarekonzernen wie Infor Global Solutions getrieben. Deren Akquisitionspolitik hat vor allem zum Ziel, eine kritische Masse für den globalen Markt zu gewinnen. Vor Ort jedoch agieren selbst Konzerne wie Infor weitgehend wie Mittelständler. Gleichzeitig sind sie in der Lage, ihre Kunden auf den Weg in die internationalen Märkte zu begleiten.
Mittelständische Anwender legen selten großen Wert auf die Technologie ihrer Software. Aus der Konsolidierung der vergangenen Jahre haben sie allerdings gelernt, dass sie sich entweder auf die Seite von Marktriesen wie Microsoft
oder SAP schlagen müssen, oder sich nur durch plattformunabhängige und damit portable Lösungen vor einem Ausfall ihres Lieferanten schützen können.
Strategiewechsel braucht noch vier bis fünf Jahre
In dieser Plattformunabhängigkeit wiederum liegt die Chance all jener Spezialanbieter, die es entgegen der Prognosen vieler Analysten geschafft haben, ihre Software aus eigener Kraft zu modernisieren. Zu ihnen gehören beispielsweise Abas, Bäurer, Semiramis, GUS
und Oxaion. Softmatic
ist dabei eine beispielgebende Partnerschaft mit der Schweizerischen Bison-Gruppe eingegangen. Die offene Architektur lädt weitere Partner ein, Branchenmodule beizusteuern, so dass sich die Entwicklungskosten verteilen.
Die Zukunft der Spezialanbieter ist damit jedoch noch nicht gesichert. Mittelständische Anwender bewundern zwar Java und SOA-Konzepte, ob sie deswegen allerdings vertraute Wege verlassen, ist ungewiss. Nach Erkenntnissen der Markforscher von West Trax beginnt sich die seit den 90er Jahren propagierte Prozessorientierung bei kleineren Unternehmen gerade erst zu etablieren. Releasewechsel werden nach den Erfahrungen von Softmatic im Schnitt alle vier bis fünf Jahre vorgenommen. Für die Standardsoftwerker bedeutet das eine lange Durststrecke, die sie mit dem Support ihrer etablierten Programme überbrücken müssen.
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