Datenklau leichtgemacht
Sicherheitsrelevante Daten sind in Deutschland nach Einschätzung der Experten mehr als genug im Umlauf. "Die Täter schwimmen regelrecht in Daten, sie bekommen nur nicht genug Finanzagenten angeworben", sagt Haug. Einige Kriminelle versuchen deshalb, in andere gewinnträchtige Bereiche auszuweichen. "Es gibt zum Beispiel seit einigen Monaten Schutzgeldforderungen und Erpressungen", erklärt Wüest. Die dafür verwendeten Trojaner blockieren Dateien auf dem Rechner und teilen dem Nutzer mit, er erhalte diese erst wieder, wenn er eine bestimmte Summe überwiesen habe. "Meist sind das etwa 300 Euro." Nach Erhalt der Summe gäben die Erpresser die verschlüsselten Dateien wieder frei.
Beliebtes Angriffsziel von Online-Kriminellen sind auch Verkaufs- und Versteigerungsplattformen. Autokäufe zum Beispiel würden mit überzahlten Schecks beglichen, mit der Bitte, den überschüssigen Betrag zu überweisen, erklärt Haug. "Der Scheck ist nicht gedeckt, das Geld weg." In anderen Fällen werde beim Autokauf im Ausland eine Vorabzahlung gefordert - und der Wagen anschließend nie geliefert.
Weiterhin im Umlauf seien auch die so genannten Nigeria-Briefe, in denen angebliche hochrangige afrikanische Manager gegen hohe Provisionen Geldtransfers anbieten. "Da fallen immer noch Leute drauf rein", sagt Haug.
Die Mitte Mai veröffentlichte polizeiliche Kriminalstatistik für 2005 zeigt, dass das Internet mit seiner weitgehenden Anonymität ein beliebter Tummelplatz für Kriminelle ist: Onlinedelikte treten immer häufiger an die Stelle des klassischen Ladendiebstahls. Die gemeldeten Fälle stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent auf fast 16.000. Einfache Diebstähle gingen dagegen um 7 Prozent auf knapp eineinhalb Millionen zurück.
Sieben Regeln für sicheres Handeln im Web
Die Polizei hat deshalb gemeinsam mit dem Online-Marktplatz Ebay
und dem Bundesverband des Deutschen Versandhandels "7 Goldene Regeln zum sicheren Online-Handel" aufgestellt. "Dazu gehört zum Beispiel, dass man Waren nicht im Voraus bezahlen sollte", erklärt Andreas Feß von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Bei Einkäufen im Internet sollte man dem Rat der Experten zufolge auf Treuhandservice-Angebote setzen.
Aber auch der eigene Rechner muss geschützt werden: "Firewall und Antivirenprogramm sollten immer auf dem aktuellsten Stand sein", empfiehlt Wüest. Dabei kommt es den Experten zufolge nicht darauf an, möglichst teure Lösungen zu erwerben. "Es gibt viele gute kostenlose Angebote", sagt Hack.
Zu empfehlen sei auch, auf seinem Computer keine Listen mit allen Passwörtern abzulegen, Passwörter nicht automatisch speichern zu lassen und bei Überweisungen TAN-Nummern nicht als Liste zu lagern, sondern immer aktuell einzugeben. Hundertprozentigen Schutz werde es aber niemals geben können. "Deshalb sollte man regelmäßig Sicherungskopien seiner Dateien anlegen", sagt Wüest. Wichtig sei bei der Nutzung des Internet immer auch eine gesunde Skepsis: Es sei eben nicht jedes Angebot wert, wahrgenommen zu werden. "Und nicht jede Mail ist das Öffnen wert."
Annett Klimpel, dpa
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