Mittwoch, 8. Februar 2012, 05:34 Uhr

manager magazin



07.06.2006
 

Netznepp

Abfischen, absahnen, plündern

Bücher, Autos, Überweisungen - wer einkauft oder handelt, der kommt heute am Internet kaum mehr vorbei. Die Möglichkeiten des World Wide Web sind nahezu unbegrenzt. Doch davon profitieren auch Diebe und Betrüger, die Nutzer online um ihr Hab und Gut bringen.

Stuttgart - "Die Straftäter sind da sehr findig", sagt Horst Haug vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg. In Mode seien gerade neue Methoden des "Phishing" - des illegalen Auskundschaftens von Kundendaten, um damit Gelder von fremden Konten abzuzweigen.

Die Daten wurden bislang vor allem mit fingierten Mails beispielsweise der eigenen Bank und über nachgemachte Seiten abgefragt. "Mittlerweile spielt Pharming verstärkt eine Rolle", erklärt Haug. Dabei wird der Nutzer auf getürkte Webseiten umgeleitet, wenn er eine Internet-Adresse - zum Beispiel die seiner Bank - ansteuert. "Für den Anwender ist es schwierig, das zu erkennen."

Versendet werden immer häufiger auch kleine Programme, die vom Anwender unbemerkt Tastatureingaben - wie zum Beispiel Passwörter - aufzeichnen und an ihren "Gebieter" senden. "Derartige Trojaner werden immer gewiefter", sagt Candid Wüest, Sicherheitsexperte und Virenforscher beim IT-Sicherheitsdienstleister Symantec. So verschicken Internet-Diebe zum Beispiel Mails mit scheinbar interessanten Links. Beim Ansteuern der angegebenen Seite wird automatisch ein Trojaner auf den Rechner geladen, der beim nächsten Online-Banking sämtliche Eingaben an den jeweiligen Hacker schickt.

Trojaner beschaffen die Daten

"Mit Trojanern kann man alles vom Rechner holen, Fotos, Dateien, gespeicherte Mails und natürlich auch Passwortlisten", sagt Haug. Mit den ergaunerten Daten bestellen die Diebe auf Rechnung ihrer Opfer Waren oder holen sich Geld von deren Konten. "Bei Privatpersonen werden meist kleinere Summen überwiesen, damit es nicht auffällt", so der Sicherheitsexperte.

Über ihr eigenes Konto wären die Plünderer allerdings recht leicht fassbar - deshalb werden von ihnen "Finanzagenten" angeworben: In als Mail verschickten Stellenanzeigen werden "Mitarbeiter" gesucht, die sich Geld auf ihr Konto überweisen lassen, dieses abheben und über Reisebanken wie Western Union versenden. "Dafür werden 5 bis 15 Prozent Provision geboten", erklärt Haug. Problem dabei: "Das ist Geldwäsche und damit strafbar." Der Empfänger des Geldes könne kaum ermittelt werden, sehr wohl aber der "Finanzagent".

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