Von Jeanne W. Ross und Peter Weill
Resümee: Wie Sie IT-Desaster vermeiden
Obwohl wir fest daran glauben, dass Führungskräfte einen Fehler machen, wenn sie die Verantwortung für diese sechs IT-Entscheidungen abgeben, so meinen wir damit nicht, dass diese Entscheidungen isoliert im engsten Führungskreis getroffen werden sollten. Solch komplexe Fragen können nicht in einem Treffen abgehandelt werden, bei dem die Topmanager über die Ausgaben, das Management und den Gebrauch der Informationstechnik entscheiden.
Statt zentrale IT-Entscheidungen in Ad-hoc-Manier anzugehen, bauen Unternehmen zunehmend formale Managementstrukturen auf, in denen festgelegt ist, wie IT-Entscheidungen getroffen, umgesetzt, untermauert und hinterfragt werden. Solche Strukturen gehorchen denselben Gesetzen wie jene im Finanzmanagement - zum Beispiel legen sie fest, wer für das Unternehmen Verträge abschließen darf und wie der Cashflow im Unternehmen gemanagt wird.
Ein Unternehmen kann - je nach Kultur, Strategie und Struktur - zwischen unterschiedlichen Ansätzen wählen. Aber in jeder guten IT-Managementstruktur ist festgelegt, wer für die zentralen Entscheidungen verantwortlich ist und zur Rechenschaft gezogen werden kann. Zum Beispiel werden IT-Investitionen häufig im Rahmen der unternehmensweiten Budgetplanung bestimmt, die vom Topmanagement abgesegnet wird.
Entscheidungen über die IT-Architekturen und die mit ihnen verbundenen Standards werden oft von Ausschüssen getroffen, denen technische und kaufmännische Manager angehören. In jedem Fall aber gewährleistet ein effektives IT-Management, dass EDV-Entscheidungen die Rolle der IT im Unternehmen widerspiegeln.
Informationstechnik war lange ein wichtiger Grund für den Erfolg der State Street Corporation, eines weltweit führenden Finanzdienstleistungsunternehmens. Aber obwohl in der Regel fast ein Viertel der Betriebsausgaben in die Informationstechnik floss, gab es bis vor kurzem kein unternehmensweites IT-Budget, und fast alle Investitionsentscheidungen wurden in den einzelnen Geschäftsbereichen getroffen.
Das Unternehmen wollte aber sicherstellen, dass alle IT-Entscheidungen mit Blick auf die neue Strategie getroffen wurden, den Kunden über alle Geschäftseinheiten hinweg mit einem einheitlichen Erscheinungsbild gegenüberzutreten. Also gründete State Street kürzlich ein IT-Exekutivkomitee, dem unter anderen der COO, der Chief Information Officer (CIO) und die Leiter der Geschäftsbereiche angehören und das alle zwei Monate zusammentrifft.
Dieses Komitee gibt die Marschrichtung der Informationstechnik im Rahmen der Unternehmensstrategie vor und erarbeitet ein übergreifendes IT-Budget, das die Bedürfnisse des Gesamtunternehmens und der einzelnen Geschäftsbereiche ausbalanciert.
In der Struktur des IT-Managements von State Street spielt der CIO eine aktive Rolle bei der Entwicklung der IT-Strategie und bei der Förderung der effektiven Nutzung von Informationstechnik. Gleichzeitig zeigt das Komitee das IT-Engagement der Führungsriege des Unternehmens inklusive des Chief Operating Officers. Somit ist State Street ein gutes Beispiel dafür, dass es IT-Entscheidungen gibt, die nicht den IT-Leuten überlassen werden sollten - zumindest nicht ihnen allein.
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