Von Konstanze Lempart
Neue Potenziale
Damit greift RFID genau in die bisherigen Problemfelder der Lieferscanner ein. Hier stehen die Bestandssenkung, die Auslastung und Effizienz der Produktion oder auch die Informationsweitergabe zwischen den Teilnehmern der Lieferkette im Mittelpunkt. RFID kann hier das Qualitätsmanagement verbessern, Schwund reduzieren und das Orten von Produkten erleichtern.
Herkömmliche Methoden sind - zum Beispiel bezogen auf Verfolgbarkeit, Ortung und Disposition - extrem kostentreibend, zeitaufwändig und kapitalbindend. Mit RFID muss dagegen niemand mehr verlorene Container oder Arbeitsmittel suchen. Auch kann RFID-basiertes Behältermanagement bei Unsicherheit über den Mengendurchsatz innerhalb der Produktion durch fertigungsbedingten Schwund Abhilfe schaffen.
Das Qualitätsmanagement kann ebenfalls verbessert werden. "In der Produktionskette gibt es Arbeitsschritte, die man dem einzelnen Objekt nicht ansieht, zum Beispiel die exakte Verweildauer eines Produktes in einem Ofen mit einer genau einzuhaltenden Temperatur", erklärt Volker Roelofsen, Vice President SCM und RFID bei der Seeburger AG.
"Auf einem RFID-Chip lassen sich aber diese Abläufe dokumentieren, so dass im Warenausgang sichergestellt werden kann, dass das ausgesandte Produkt wirklich fertig ist und den werksinternen Qualitätsstandards entspricht." Damit lassen sich zum Bespiel enorme Kostensenkungspotenziale bei der Rückverfolgbarkeit und Identifikation von Artikeln im Fall von Qualitätsproblemen in folgenden Bearbeitungsschritten erschließen.
Kein Allheilmittel
"Noch eruieren Unternehmen die Einsatzmöglichkeiten von RFID und diskutieren über Kosten und Nutzenpotenziale. Es gibt eine überschaubare Anzahl von bereits durchgeführten RFID-Projekten, die sich in erster Linie auf die Optimierung der werksinternen Abläufe konzentrieren", so Roelofsen. Schließlich lässt sich in der internen Supply Chain am einfachsten der optimale Einsatz von RFID bestimmen.
"RFID ist sicher ein spannendes Thema, aber kein Allheilmittel. Daher steht am Anfang eines jeden Projektes eine ROI-Analyse, damit die Kosten-Nutzenausrichtung gegeben ist. Auch technische Machbarkeitsanalysen machen häufig Sinn, da RFID noch kein Standardszenario ist", so Roelofsen weiter. "Man muss die Ursache des Engpasses feststellen und die gesamte Lieferkette betrachten."
Bei der Betrachtung der gesamten Lieferkette müssen Controllinginstrumente überprüft werden und Schwachstellen dem Sollkonzept gegenüber gestellt werden. Nur so können Pain-Points und Auswirkungen von Teilbereichsentscheidungen, wie das Aufsetzen eines RFID-Projekts zur Qualitätsprüfung, auf die gesamte Lieferkette berücksichtigt werden. Erst dann kann mit der Integration von Kunden oder Lieferanten begonnen werden, wobei zwar die technische Umsetzung zum Schluss kommt, die Abstimmung mit den Partnern jedoch von Anfang an die Konzeption der Lieferkette bestimmt - besonders wenn RFID genutzt wird, um Informationen zwischen Partnern weiterzugeben.
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