Von Konrad Buck
Es war wie die Ruhe vor dem Sturm. Festnetz- und Mobilfunk-Anbieter, Ausrüster und Serviceanbieter bereiten sich mit viel Skepsis auf den sich abzeichnenden Big Bang im Telekommunikationsmarkt vor. Internettechnik untergräbt derzeit die klassischen Anbieterstrukturen und lässt viele Anbieter nervös agieren.
Während einige Player, allen voran die Mobilfunker, mit einer Submarkenstrategie für IP-, Netz- und Trend-affine Klientel wenigstens in die richtige Richtung laufen, wirken die neuen Versprechungen mancher Ausrüster wie ein Stoßgebet in den Telco-Himmel, Allmighty möge doch bitte den Kunden wieder neuen Glauben geben.
Ohne Zweifel müssen unterschiedliche Zugangsnetze, IT-Systeme und Applikationen möglichst rasch auf eine einheitliche, integrierende Plattform gebracht werden. Aber wie es scheint, sind es diesmal die innovativen Geschäftsideen und nicht innovative Technologien, die das netzbasierte Business der Zukunft treiben.
Und das hat ganz erhebliche Auswirkungen auf liebgewonnene Vertriebsgewohnheiten. Plötzlich verdienen Unternehmen wie Google
, Amazon
oder Ebay
sehr viel Geld mit selbst zusammengestellter Standard-Technik, und besitzen dann auch noch die Stirn, wie Ebay mit Skype in die Reviere der TK-Platzhirsche vorzustoßen.
Daraus resultierende Unsicherheit schlägt sich sowohl bei den Anbietern, als auch bei den Konsumenten nieder. Was der Branchenverband Bitkom zum Jahresende 2005 verlautbarte, einen insgesamt zuversichtlichen Start der ITK-Industrie in das Jahr 2006 mit einer Wachstumsprognose von 2,4 Prozent, das wurde auf der diesjährigen zehnten Euroforum-Jahrestagung Telecom Trends am 18. und 19. Januar in Düsseldorf vom TK-Marktexperten Torsten Gerpott gleich wieder vorsichtig relativiert: "Für 2006 ist aufgrund des anhaltenden Preiswettbewerbs und der Annäherung an Nachfragesättigungsgrenzen in Teilmärkten mit einer Halbierung der Wachstumsrate des Vorjahres (3 Prozent) zu rechnen".
Regulierung bleibt problematisch
Wie schwierig die Marktlage ist, beschreibt auch Friedhelm Dommermuth von der Bonner Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahn (ehemals Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, RegTP). Zwar beziffert seine Behörde den Anstieg der Umsatzerlöse im letzten Jahr um vier Prozent, muss aber auch einen Absatzschwund bei Festnetz-Verbindungsminuten testieren.
Dieser Gastbeitrag ist im Fachmagazin "IT-Director", Heft 3/2006, erschienen
Gründe hierfür seien Heavy User, die auf Breitband gehen und der sich festsetzende Trend, Festnetz- durch Mobilfunk-"Anschlüsse" zu substituieren. Hinzu komme die starke Tendenz zu Bündel- und Pauschal-Entgelten. Dies stelle außerdem ein Problem für Wettbewerber dar, die im Vorleistungsbereich minutenabhängig einkaufen müssten, aber nur Flatrates anbieten könnten.
Die anstehenden Regulierungsentscheidungen konnte Dommermuth indessen nur kommentieren: Es müssten, "teilweise unter hohem materiellem Druck", eine Vielzahl von Einzelinteressen berücksichtigt und außerdem auf Abstimmung mit EU-Recht eingegangen werden. Dies führe nach wie vor zu Verzögerungen bei der Schaffung eindeutiger Rechtsrahmen.
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