Ihre Nische hat sich die MD aber beim Erstellen hochwertiger Aufnahmen erkämpft. MP3-Player mit integrierten Mikrofonkapseln taugen zu kaum mehr als Diktierdiensten. Doch fast jeder MD-Rekorder verfügt über einen Mikro-Eingang samt Vorverstärker. "Tragbare MD-Rekorder sind nicht nur gut für die Musikwiedergabe, sondern auch ideal für Reportagen oder Musikmitschnitte", urteilte die Stiftung Warentest bereits im Jahr 2000 im Rahmen eines Tests. In Verbindung mit guten Mikrofonen wurde MD-Rekordern "Sendequalität" attestiert.
Während die Lizenznehmer nach und nach aus der MD-Produktion ausstiegen, entwickelte Sony die MD fleißig weiter. Damit Musik schneller als in Echtzeit auf die Scheibe überspielt werden kann, führte Sony 2001 die Funktion Net-MD ein.
Per USB schaufelte der Rechner fortan Musik auf den MD-Rekorder - allerdings ließen sich keine Aufnahmen von MD auf den Rechner ziehen. "Viele Leute haben sich beschwert und wir haben das korrigiert", sagt Sony-Sprecher Nierhaus. Auch das ehemals rigide Kopierschutzsystem SMCS wurde gelockert. "Es gibt keine Beschränkungen bei eigenen Aufnahmen."
Die externe Festplatte
Angesichts des unaufhaltsamen Siegeszuges des MP3-Formats erfand Sony die MD im Jahr 2004 quasi neu. Mit der Einführung der so genannten Hi-MD-Technologie gab es nicht nur ein neues Leermedium mit einem Gigabyte Speicherkapazität, sondern auch eine Fülle neuer Funktionen. "Hi-MD-Geräte können via USB 2.0 wie eine externe Festplatte am Rechner genutzt werden", erklärt Nierhaus.
Außerdem sind unkomprimierte Aufnahmen für höchste Ansprüche möglich. "Puristen können das Format PMC einstellen, das wie WAV auf dem PC verlustfrei ist", erklärt MD-Experte Wienfort. Im Handel kostet eine Hi-MD um die sechs, eine herkömmliche MD nur gut einen Euro.
Hörverlust
Ganz genau hinsehen müssen MD-Nutzer allerdings beim eingestellten ATRAC-Codec. Im Lauf der Jahre hat Sony vier verschiedene Versionen entwickelt. Für ATRAC3 (MDLP) und ATRAC3plus gibt es zudem noch wie beim MP3-Format verschiedene Bitraten. CD-Qualität erreicht Experten zufolge neben PCM und dem Ur-ATRAC mit 292 Kilobit nur noch ATRAC3plus: "Damit haben wir in Hörtests mit den höheren Datenraten ab 256 Kilobit sehr gute Erfahrungen gemacht", sagt Wienfort.
Vollständig dem MP3-Format geöffnet hat sich Sony bisher nur mit seinen CD-Walkman, Festplatten- und Flash-Playern, die laut Nierhaus auch ATRAC-Musik wiedergeben können. MD-Player spielen MP3 dagegen nicht direkt ab. Vielmehr werden MP3-Stücke von der Sony-Software auf dem PC immer automatisch in ATRAC umgewandelt, bevor sie auf die MD geschrieben werden.
Nur als "befriedigend" bewertete die Stiftung Warentest Ende 2004 den Ton, der so zustande kommt. "Normalerweise sorgt ATRAC für hochwertige Komprimierungsdaten, die qualitativ besser sind als MP3", so die Tester weiter. Klein kriegt man die robuste MD hinter ihrem Plastikpanzer eben nicht so schnell.
Dirk Averesch, dpa
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