Euskirchen/Hamburg - Analoge Kassetten sollte sie ins Technikmuseum verbannen und selbst zum universellen digitalen Audio-Medium werden. Die Rede ist von der Minidisc (MD), der im Durchmesser noch nicht einmal sieben Zentimeter großen Scheibe, die geschützt wie eine Diskette im Plastikgehäuse steckt.
Doch dann kam alles ganz anders: MP3-Player eroberten den Markt, und die MD verschwand trotz tadellosen Klangs fast in der Versenkung. Vor der Bedeutungslosigkeit bewahren sie vor allem ihre Aufnahmequalitäten.
1992 erblickte die MD das Licht der Welt. Im Mittelpunkt der von Sony entwickelten Technologie steht die Komprimierung von Musik. "Auf eine gewöhnliche MD passen nur ein Fünftel der Daten einer normalen CD, das sieht man genau an der Fläche", erklärt Ulrich Wienforth, Redakteur bei der in Euskirchen erscheinenden Zeitschrift "Stereo" und MD-Experte. Trotzdem speichert der Mini-Silberling 74 oder 80 Minuten Musik - so viel wie die große Schwester CD. Diese neue Kompression taufte Sony Adaptive Transform Acoustic Coding (ATRAC).
Sonys Nischenprodukt
"Ursprünglich war die Klangqualität noch ein wenig "giftig", doch die Chips wurden immer besser, bis wir 1995 bei Tests gesagt haben: Die MD hat CD-Qualität", erzählt Wienforth. Damals sei das System mit seinen umfangreichen Editierfunktionen und der Titelanzeige revolutionär gewesen. Titel einzeln löschen, umsortieren oder neu einfügen? Alles kein Problem. Erstmals entfiel das lästige Spulen. Und wie bei der CD war der direkte Zugriff auf Musikstücke möglich. Außerdem hatten die Geräte einen Digitaleingang für verlustfreie digitale Aufnahmen und sogar einen Pufferspeicher gegen Aussetzer.
"Sony wollte mit der MD die Kassette ablösen", sagt Unternehmens-Sprecher Markus Nierhaus. "Allerdings hatte sie in Deutschland nicht den Erfolg, den man sich erhofft hatte." Anders sieht es in Japan aus: "Dort ist MD immer noch ein Thema, zu den besten Zeiten konnte man keine Anlage ohne MD kaufen", sagt Wienforth. Seinen Zenith erreichte das Medium in Deutschland Ende der neunziger Jahre. "Damals hatte jeder namhafte Hersteller mindestens ein Gerät im Programm."
Das hat sich geändert: Sony bietet auf dem deutschen Markt nur noch einen tragbaren MD-Rekorder und drei HiFi-Decks an. Sharp hat die Produktion nach eigenen Angaben für Deutschland eingestellt, produziert aber wie Panasonic noch für den japanischen Markt. "MP3 und Festspeichermedien haben ganz klar die MD verdrängt", sagt Sharp-Sprecher Martin Beckmann in Hamburg. "Es gibt inzwischen andere Technologien wie SD-Karten oder kleine Festplatten", fügt Peter Weber, Sprecher von Panasonic in Hamburg, hinzu.
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