Von Frank Patalong
Der nächste "Robin Hood" wird gegen Google kämpfen
Google ist zu groß geworden, um daran noch Teil zu haben. "Sei nicht böse!" ist eine Corporate Legend, ein Image, das man dem Kleinen gern, dem Großen aber nicht mehr glaubt. Sie ist zudem nie eine Absage an den kommerziellen Erfolg gewesen: Google schuf sich mit dem kessen Spruch ein Image, das in krassem Gegensatz zu Microsofts damaligen Image stehen sollte.
Hier das kleine, aufstrebende Unternehmen, das mit fairen Mitteln nach oben will, dort der IT-Riese, der sich vor Gericht wegen Kartellklagen und unfairer Geschäftsmethoden verantworten musste. "Sei nicht böse!" hieß nie, dass Google nicht auch groß und kommerziell erfolgreich werden wollte.
So dürfte es auf der Führungsebene von Google auch nicht als Bruch empfunden worden sein, einerseits amerikanischen staatlichen Stellen Datenauskünfte zu verweigern, andererseits in China alles zu tun, was die dortige Regierung verlangt. Beides ist konsequentes Verhalten - und zwar zum Vorteil des eigenen Geschäftes.
Langsam sickert diese Erkenntnis ein: Google ist kein Heilsbringer, kein unkommerzieller Tugut und ewiger Robin Hood, sondern ein aktiennotiertes Großunternehmen mit etwas lockerer Unternehmenskultur. Weil Google anders als seine Konkurrenz nicht nur Nutzer, sondern Fans hat, blutet denen das Herz - und Zuneigung schlägt in Groll um.
Den hätten Googles Konkurrenten und Komplizen in China, wenn man so will, nämlich weit mehr verdient: Während Google ja "nur" weniger findet, als es könnte, sieht sich Yahoo mit dem Vorwurf konfrontiert, sogar zur Verhaftung von Dissidenten beigetragen zu haben. Microsofts MSN zensierte derweil bereitwillig Blogs, wenn etwas darin den Machthabern in Peking nicht passte. Auch über solche Dinge regen sich viele Menschen auf, die Empörung verpufft jedoch bald wieder.
Enttäuschen kann eben nur der, von dem man mehr, vielleicht zu viel erwartet. Wenn die Liebe geht, sieht man den Makel, für den man blind war, umso mehr.
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