Hamburg - Es wird mächtig gepokert beim Bau der Glasfasernetze, die Voraussetzung sind für VDSL - das superschnelle Internet mit bis zu 50 Megabit/s. Dies ist 50-mal schneller als bei heute üblichen DSL-Anschlüssen. Die hohe Datenrate ist notwendig, um Fernsehbilder zu streamen, auch in HD-Auflösung, und gleichzeitig über die Leitung surfen und telefonieren zu können. Von dieser so genannten Triple-Play-Technik verspricht sich die Deutsche Telekom
ein großes Geschäft.
Drei Milliarden Euro will Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke in deutschen Großstädten investieren. Das Glasfaserkabel soll möglichst nah bis an die Häuser der Kunden verlegt werden. Doch Ricke will das Geld nur dann ausgeben, wenn ihm die Politik zusichert, dass kein Konkurrent das neue Telekom-Netz mitnutzen darf. Die EU-Kommission hält jedoch nichts von derartigen Plänen.
Ungemach droht der Telekom womöglich nicht nur von der Regulierungsbehörde und der EU, sondern auch von der Konkurrenz, die mit eigenen Glasfasernetzen vorpreschen könnte. Arcor hat bereits konkrete Absichten geäußert. Hansenet erwägt ein VDSL-Netz für die Stadt Hamburg.
"Wir sind mit Kommunalverwaltung in Gesprächen über die Rahmenbedingungen", sagte ein Sprecher des zu Telecom Italia
gehörenden Unternehmens. Von konkreten Planungen könne allerdings noch nicht die Rede sein. Nach Informationen der "Wirtschaftswoche" prüft NetCologne in Köln ebenfalls den Aufbau einer Glasfaserinfrastruktur.
Auch die Kabelnetzbetreiber setzen auf Triple Play und sind dabei, ihre Netze für Internet und Telefonie aufzurüsten. Kabel Deutschland bereits hat ein entsprechendes Paket zum Preis von 30 Euro im Angebot. Es ist jedoch nicht bundesweit verfügbar.
In das Thema Highspeed-Internet sei eine "gewaltige Dynamik" gekommen, sagte Rainer Lüddemann, Geschäftsführer des Bundesverbandes der regionalen und lokalen Telefongesellschaften (Breko). Es gebe bei vielen Verbandsmitgliedern Überlegungen in diese Richtung.
Lüddemanns hält es durchaus für möglich, dass auch Telekom-Konkurrenten als marktbeherrschend in ihrem jeweiligen Netz und damit als regulierungsbedürftig angesehen werden könnten. Diese müssten ihr Netz in der Folge für andere Anbieter öffnen. Kein Wunder, dass alle Anbieter derzeit vor allem durch Ankündigungen glänzen - sich mit konkreten Schritten aber zurückhalten.
Die Telekom möchte für ihr geplantes Netz zumindest vorübergehend von der Regulierung befreit werden. Nur so sollen sich angeblich die Investitionen rechnen. In einem ersten Schritt will das Unternehmen bis zum Sommer für 500 Millionen Euro zehn Metropolen, darunter Hamburg, anschließen. Bei einem Regulierungsverzicht will die Telekom dann bis Ende 2007 in 40 weiteren Städten Glasfaser einziehen und damit insgesamt mehr als drei Milliarden Euro investieren.
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