Wikipedia als PR-Maschine
Vogel sagt, man habe dem Eintrag "mehr Tiefe" verleihen wollen, bei der Wikipedia dagegen spricht man von "Vandalismus". Zu den Grundregeln der Enzyklopädie gehört es, dass man korrekte Fakten nicht entfernt. Die Zensoren aus dem Kongressgebäude hätten schließlich "ihre Sicht der Dinge hinzufügen" können, kommentierte Wikipedia-Gründer Jimmy Wales.
Von der gleichen IP-Adresse aus, von der Meehans Eintrag verändert wurde, kamen auch Hunderte andere Korrekturen, manche gerechtfertigt, manche tendenziös, manche schlicht beleidigend. Die Wikipedianer haben inzwischen weitere IP-Adressen des US-Senats ausgemacht, von denen aus ebenfalls fleißig editiert wurde.
Nicht nur an den Biografien von Politikern wurde von den Kongressrechnern aus herumgeschraubt, auch Historisches wollten die Senatsschreiber gern anders darstellen. Beispielsweise wurde der Eintrag zum Einmarsch im Irak 2003 manipuliert. Hinterher stand da, Präsident George W. Bush habe zwischen den Attentaten des 11. September 2001 und dem Irak "nie eine Verbindung suggeriert", und es sei stattdessen "als zwingend angesehen" worden, "dass eine solche Verbindung bestanden habe".
Wütende Wikipedianer wehren sich
Inzwischen wehrt sich die zornentbrannte Wikipedia-Gemeinde heftig. Beanstandete Beiträge wurden rückeditiert. Die IP-Adresse, von der die meisten Änderungen kamen, wurde kurzzeitig blockiert, dann wieder freigeschaltet, weil sie nicht nur von einem sondern von vielen Kongressrechnern benutzt wird, und man harmlose Beitragende nicht diskriminieren will, nur weil sie zufällig beim Kongress angestellt sind. Eigens eingerichtete Seiten fassen die Ereignisse und Diskussionen zusammen, unterteilen die Einmischungen von Kongress-Adressen in "Vandalismus", "Böse Absichten" und "legitim".
Der Wikipedia-Selbstreinigungsmechanismus ist nach wie vor intakt und läuft nun auf Hochtouren - und gleichzeitig zeigt der Fall einmal mehr, wie verletzlich das für alle offene System ist. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis sich nicht nur übereifrige Kongressangestellte sondern professionelle Informationsmanipulierer an der Online-Enzyklopädie zu schaffen machen.
Ein Wikipedia-Nutzer schrieb auf der entsprechenden Diskussionsseite: "Wenn wir das nicht bestrafen, wird das weitere in der Öffentlichkeit stehende Personen dazu anstacheln, PR-Firmen zu engagieren, die in der Wikipedia ihre Standpunkte durchdrücken sollen." Ein anderer fügte hinzu: "Ich hoffe, dass es nicht zu einem Prozess 'Wikimedia Foundation gegen die Vereinigten Staaten' kommt."
Wenn ich mir aber die permanente gedankenlose Anwendung von Wikiinformationen ansehe, z.B. von einigen Forumsteilnehmer, bleibe ich lieber bei google und überspringe die Wikieinträge. Mein Brockhaus und die Bertelsmannlexikothek [...] mehr...
In der englischen wird dazu aufgerufen, in der deutschsprachigen wird es umgesetzt (einer der Gründe für Löschungen). mehr...
Als ich studierte, gab es noch kein Internet. Ich kann aber verstehen, dass es heute eine große Versuchung ist, sich Informationen schneller zu besorgen, als stundenlang in der Uni-Bibliothek zu sitzen. Dennoch muss man die [...] mehr...
Das ist bei einem riesigen Großlexikon wie dem Internet eine ziemlich vermessene und gewagte Behauptung. Der größte aller Informationsvermittler ist schließlich Google. Bei Wikipedia wird nur versucht, alles etwas [...] mehr...
Wenn Sie hier die Beiträge im Spiegel-Forum verfolgen ist Wikipedia aber für viele die einzige Informationsquelle. Da ist nichts mit ihrer Offensichtlichkeit. mehr...
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