Hamburg - In Reaktion auf die Pläne der Deutschen Telekom
für ein superschnelles Glasfasernetz (VDSL) erwägt der Hamburger Telekommunikationsanbieter Hansenet den Aufbau einer eigenen VDSL-Infrastruktur. "Das ist durchaus denkbar, in Hamburg oder auch in anderen Städten, wo wir genug Marktdurchdringung haben", sagte Hansenet-Chef Harald Rösch der "Financial Times Deutschland".
Rösch wandte sich der Zeitung zufolge gegen eine Freistellung des neuen Telekom-Glasfasernetzes von der Regulierung. "Es besteht die Gefahr, dass die Telekom dann Breitbandprodukte zu Dumpingpreisen anbietet. In dem Fall könnte VDSL zu einer Bedrohung werden", zitierte ihn die Zeitung.
Im Streit um die Regulierung des geplanten VDSL-Datennetzes hatte der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, die Firmen aufgefordert, sich selbst zu einigen. "Ich würde es sehr begrüßen, wenn man den Dialog sucht und die Einigungsmöglichkeiten sucht", sagte Kurth. "Regulierung brauchen wir nur als Ultima Ratio, wenn bestimmte Dinge scheitern und wenn kein neuer Markt entsteht." Die Telekom knüpft den großflächigen Aufbau ihres neuen VDSL-Netzes an die Bedingung, dass dieses zumindest eine Zeit lang nicht reguliert wird, damit sich die Investitionen von rund drei Milliarden Euro lohnen.
Kooperation mit Telefonica und QSC
Hansenet will den Druck auf die Telekom auch bei dem herkömmlichen Breitbandanschluss verstärken. Die Tochter der Telecom Italia
kündigte an, mit dem spanischen Telefonica-Konzern
beim schnellen Internetzugang DSL zu kooperieren.
Telefonica gehört in Deutschland zu den großen alternativen Netzbetreibern. Das Unternehmen nutzt die schnelle Breitbandtechnik ADSL2+, die Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 25 Megabit pro Sekunde ermöglicht. Mit diesen Bandbreiten können etwa Fernsehprogramme über das Netz übertragen werden, ebenso ist das Angebot von hoch auflösendem Fernsehen (HDTV) möglich.
Auch mit dem Kölner Breitbandnetzanbieter QSC
soll sich Hansenet der "Financial Times Deutschland" zufolge schon in Verhandlungen befinden. Der Telekomanbieter betreibt zwar ein eigenes Netz, war aber mit dem Aufbau nicht so schnell vorangekommen.
Bis Mitte des Jahres will Hansenet in 60 deutschen Städten seine Telefondienstleistungen und DSL-Internetzugänge anbieten und rund 30 Prozent der Haushalte ansprechen. Bundesweit versorgt das Hamburger Unternehmen derzeit rund eine halbe Million Kunden und liegt damit auf dem sechsten Platz unter den Breitbandanbietern in Deutschland.
In den vergangenen beiden Jahren investierte Hansenet bereits rund 300 Millionen Euro in den Ausbau seines Netzes. Auch in 2006 soll dieses Investitionsniveau gehalten werden.
Zudem will Hansenet noch in diesem Jahr rund 450 neue Mitarbeiter einstellen, vor allem in den Bereichen Kundenbetreuung und Technik. Geplant sei außerdem die Einführung eines eigenen TV-Angebots mit bis zu 100 Kanälen, so dass Hansenet seinen Kunden ein Komplettpaket mit Telefon, Internet und Fernsehen anbieten kann.
dpa, rtr
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