Am Mittwoch sank der Aktienkurs von Premiere schon im Vorfeld der offiziellen Bekanntgabe deutlich um über 3 Prozent. Nach der Bekanntgabe sackte der Kurs um rund 40 Prozent ab.
"Wir haben uns nicht verzockt, wir haben im Interesse der Aktionäre gehandelt", verteidigte Premiere-Chef Georg Kofler in einer Telefonkonferenz seine Haltung. "Lieber keinen Deal als einen solchen Deal, ohne die Bundesliga bricht die Welt nicht zusammen", gab sich der Premiere-Chef kämpferisch. Trotzdem sei er enttäuscht, dass die Liga die Rechte an einen Nobody vergeben habe.
Verantwortlich für die Entscheidung der Liga sei der Lobbyismus der öffentlich-rechtlichen Sender. Die Preistreiberei mache es Pay-TV-Sendern wie Premiere unmöglich, noch kostendeckend zu arbeiten. Er denke nicht daran, seinen Posten wegen der Niederlage zu räumen, so Kofler weiter.
Große Gewinner der Rechtevergabe sind indes die TV-Kabelnetzbetreiber hinter dem Unternehmen Arena sowie der designierte Partner KDG. Tatsächlich dürfte die Bundesliga - ebenso wie es für Premiere in der Vergangenheit war - für den TV-Kabelnetzbetreiber KDG bei seinen Expansionsplänen zum wichtigsten Faktor werden. Denn das Unternehmen, das sich seit kurzem in der Hand des US-Investors Providence Equity Partners befindet, plant, sein digitales TV-Bouquet deutlich auszubauen.
Providence hatte vor kurzem mitgeteilt, etwa 500 Millionen Euro in den Ausbau des Netzes zu investieren. Ziel ist es, 90 Prozent der Haushalte mit so genannten Triple-Play-Produkten versorgen zu können. Unter Triple-Play versteht man den empfang von Fernsehen, Internet und Telefon aus einem Kabelanschluss.
Premiere setzt ab der Saison 2006/2007 auf ein anderes Angebot vor allem im Sportbereich. Der Sender habe jetzt in den nächsten drei Jahren einen "erheblich größeren finanziellen Spielraum", um sein Programmangebot in allen Bereichen weiter auszubauen, teilte Premiere am Mittwoch in München mit. Auch ohne die Spiele der Fußball-Bundesliga zeige Premiere ein "attraktives Sportprogramm" mit einem hohen Live-Fußballanteil. So habe sich Premiere bereits im August alle Live-TV-Rechte an der Uefa-Champions-League für die Spielzeiten 2006/2007 bis 2008/2009 gesichert.
Bis zum Ende der Saison 2005/2006 werde Premiere sein Bundesliga-Live-Angebot unverändert ausstrahlen, hieß es weiter. Für den Zeitraum ab 1. August 2006 werde der Sender nach der Entscheidung der DFL seine Preis- und Angebotsstruktur "den Marktverhältnissen gegebenenfalls anpassen".
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