09.12.2005
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Werbeagenturen

Springer & Jacoby wechselt den Besitzer

Von Klaus Boldt

2. Teil: Altmeister mit abschreckender Wirkung

Jahrzehntelang hatte S&J den Eindruck eines Supermarktes erweckt, der auf eine Schnellzuglokomotive montiert war und durch die Landschaft bolzte. Doch dann geriet die Werbefirma unter den geschäftsschädigenden Einfluss der Werbe-, aber auch einer Führungskrise, die zu strategischen Ausschreitungen führte.

Alkohol ist keine Lösung: Veltins schickte Springer & Jacoby die Kündigung
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Springer & Jacoby

Alkohol ist keine Lösung: Veltins schickte Springer & Jacoby die Kündigung

Umsatz und Gewinn blieben zunächst wie angewurzelt stehen und fielen dann, als hätte man dem Unternehmen ins Herz geschossen; Auftraggeber streben von dannen; erstmals in der Firmengeschichte sind die Zahlen so rot wie die Feuerwehr.

Hauptkunde Mercedes-Benz, der für ein knappes Drittel der Honorareinnahmen aufkommt (2005: etwa 45 Millionen Euro), ist unzufrieden und droht so unterschwellig wie eine gute Anzeige mit einer Kündigung der langjährigen Geschäftsbeziehungen. Unterdessen dient sich die einst so stolze Vorzeigeagentur mit einem Billigtarif finanzschwacher Kundschaft an. Das macht keinen guten Eindruck.

Aber es kommen weitere Erschwernisse für einen möglichen Abnehmer der IPG-Anteile hinzu: Abschreckende Wirkungen entfalten namentlich die Altmeister Reinhard Springer und Konstantin Jacoby, die sich nicht nur das Recht ausbedungen haben, einen neuen Gesellschafter ablehnen zu können, sondern die auch ihre einst errungene Stimmenmehrheit nicht freiwillig herauszurücken bereit sind. Auch wollen sie unbedingt am derzeitigen Management festhalten, an dem sie offenkundig einen Narren gefressen haben.

Von Schwall und Heitmann kann man indes nicht unbedingt behaupten, dass es sich um Filigrane handele oder dass sie über eine besonders große Anhängerschar verfügten, weder inner- noch außerhalb der Agentur, was natürlich auch daran liegt, dass sie durch Entlassungen und Stellenstreichungen äußerst unangenehn auffielen.

Die beiden Anstaltsleiter sind sicherlich elegante und befähigte Hauptdarsteller, welche sowohl den Adel als auch die sanfte Anmaßung vergangener Werbezeiten aufs Überzeugendste zur Anschauung bringen - doch einen Turnaround traut ihnen nur eine Randgruppe der Befragten zu. All dies und noch viel mehr trübt die Stimmung.

Einen Liebhaberpreis wird IPG unter diesen schicksalhaften Umständen nicht erzielen können - zumal von Managern wie Schwall und Heitmann, die einen Auskauf im Sinn, beziehungsweise von Räten wie Springer und Jacoby, die nichts dagegen haben, niemand erwarten wird, dass sie den Wert ihres Zielobjektes unnötigerweise zu erhöhen versuchen.

Mehr als 20 Millionen Euro darf IPG für das 51-Prozent-Paket deshalb kaum erwarten - weniger als die Hälfte dessen, was die Beteiligung einst gekostet hatte. Wobei es sich bei besagten 20 Millionen Euro im Grunde genommen um die Übernahme der auf S&J lastenden Strukturschulden handelt, mit denen die Amerikaner ihren Kauf ehedem unter anderem finanziert hatten. Nur 36 Millionen Dollar sollen, wie es heißt, in bar geflossen sein.

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