Hamburg - "Wikipedia hat mich vier Monate lang als Attentäter dargestellt." John Seigenthaler, profilierter Journalist und in den Sechzigern Assistent von Robert Kennedy, ist höchst unzufrieden mit der freien Online-Enzyklopädie und ihren Qualitätsstandards.
Während Wikipedia-Gründer Jimmy Wales immer wieder betone, Fehler in dem Nachschlagewerk würden von eifrigen Freiwilligen binnen Minuten korrigiert, habe sich an einem für ihn ehrabschneidenden Beitrag über Monate nichts geändert: In dem englischen Wikipedia-Artikel über Seigenthaler wurde behauptet, er habe im Verdacht gestanden, in die Ermordungen von John F. und Robert verwickelt gewesen zu sein.
An anderer Stelle wurde fälschlicherweise behauptet, er habe von 1971 bis 1984 in der Sowjetunion gelebt. Seigenthaler machte diese und andere Verzerrungen in dem biografischen Eintrag in einem Artikel in der US-Zeitung "USA Today" publik. Die Beschwerde löste eine Welle der Kritik an den internen Kontrollmechanismen der Online-Enzyklopädie aus, die von Freiwilligen bestückt und korrigiert wird.
Recht auf den eigenen Standpunkt im Online-Lexikon?
Kurz darauf löste ein vormaliger MTV-Moderator namens Adam Curry weiteren Wiki-Wirbel aus: Curry hatte den Eintrag zum Thema "Podcasting" bearbeitet - und zwar, den Vorwürfen seiner Kritiker zufolge, in eigenem Interesse. Curry gilt selbst als Pionier der zum Download angebotenen Radioprogramme für MP3-Player.
Durch seine Änderungen versuchte er aber angeblich Mitstreitern auf diesem Gebiet ihren Ruhm zu nehmen. Er habe Verweise auf Ideen und Arbeiten anderer Podcast-Vorreiter aus dem Eintrag gelöscht, so der Vorwurf.
Curry selbst gab dies gegenüber dem IT-Dienst Cnet auch zu, gab aber an, er habe die Verweise für fehlerhaft gehalten, dann aber festgestellt, dass er einen Fehler gemacht habe. Dennoch, so Curry, bedeute das nicht, "dass ich nicht eine Meinung über die Tatsachen haben und Wikipedia so ändern darf, dass sie meinen Standpunkt widerspiegelt".
Eben dies aber widerspricht dem Anspruch auf inhaltliche Objektivität und Korrektheit, der unter anderem von Wikipedia-Gründer Wales immer wieder erhoben wird. Wales kam nicht umhin, die Vorfälle zu kommentieren und schließlich eine ungewöhnliche Konsquenz zu ziehen: Seit gestern muss sich jeder, der einen Artikel in die Online-Enzyklopädie einstellen will, registrieren lassen - bisher konnte auch anonym geschrieben werden. Das kommt selten, aber gelegentlich vor - auch der tendenziöse Seigenthaler-Biograf war ein Anonymus.
Ist Wikipedia eigentlich schon in Second Life vertreten..? mehr...
" Diese Profis leben von Ihrer Qualifikation. Ist das denn niemandem klar? Wenn man sie nicht dafür entlohnt, werden sie bald nicht mehr arbeiten können. Und dann wird KEIN neues Wissen mehr gerneriert. " Bis das geschieht, [...] mehr...
Ein im Ansatz interessantes Beispiel für die weitere selbstorganisatorische Entstehung spezieller Wikis habe ich heute gerade zur Stadt Karlsruhe gefunden: http://ka.stadtwiki.net/Stadtwiki:Übersicht [...] mehr...
der macht das sicher nicht gratis. a mehr...
Heute habe ich ein Exemplar der neuen C't erworben. Dort wurden mal wieder unterschiedliche Enzyklopädia getestet und verglichen (Encarta, Bertelsmann, Brockhaus und Wikipedia. Habe ich eine vergessen?). Zwei Brüller: [...] mehr...
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