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manager magazin



01.12.2005
 

Software

Das Handy vom Müll befreien

Von Holger Dambeck

Wenn Kunden Handys vom Provider erhalten, gleichen diese häufig digitalen Litfaßsäulen: Mobilfunkbetreiber pflastern die Telefonmenüs mit Werbung zu und belegen Tasten mit teuren Direkteinwahlen ins Internet. Doch die verhunzten Handys lassen sich reaktivieren: mit der Originalsoftware, die von Dienstleistern angeboten wird.

Hamburg - Was würde BMW Chart zeigen wohl sagen, wenn ein Autohaus irgendwo in Deutschland den neuen 3er so umbaut, dass er nur noch 100 Km/h schnell fahren kann und ausschließlich Spezialbenzin tanken darf, das es exklusiv in jenem Autohaus zu kaufen gibt? Und wie würde der bayerische Autobauer wohl reagieren, wenn neben dem BMW-Logo auf dem Lenkrad der Namenszug des Händlers eingraviert wäre?

Walkman-Handy W800: Das Original von SonyEricsson mit orangefarbener Schale
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Walkman-Handy W800: Das Original von SonyEricsson mit orangefarbener Schale

In der Autobranche ist derartiges kaum vorstellbar - unter Mobilfunkern jedoch schon seit Jahren gängige Praxis. Vodafone Chart zeigen, T-Mobile & Co machen aus den von ihnen verkauften Handys kleine Litfaßsäulen für die Hosentasche. Auf dem Gehäuse prangt das Providerlogo - gleich neben dem des Handyherstellers. Das Menü ist mit Werbung zugepflastert. Sondertasten kann der Benutzer nicht nach seinen Wünschen einrichten - ein Knopfdruck startet in der Regel eine teure Internetverbindung. Abändern lässt sich das nicht - die Handy-Firmware wurde im Auftrag der Mobilfunker entsprechend geändert.

Mit ärgerlichen Konsequenzen: Wer die Tastensperre vergisst, hat auf der nächsten Handyrechnung ein paar Euro extra, weil sich das Gerät beim Verstauen in der Tasche selbstständig in das Internet eingewählt hat.

SonyEricsson D750: Speziell für T-Mobile wurde dieses Handy produziert. Die Hardware entspricht dem Walkman-Handy W800
Flashing-Tool: Für zehn Euro wird das D750 zu einem W800. Das Programm eignet sich für diverse Geräte von SonyEricsson
Nach dem Flashen: Das D750 mit der besseren Firmware. MP3s können als Klingeltöne verwendet werden, die T-Zone-Taste führt nicht zu T-Mobile sondern öffnet den MP3-Player

De-Branding: Das Mobiltelefon reaktivieren
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Vodafone-Sprecherin Bettina Donges sagte, die so genannte Vodafone-live-Taste sei auf Wunsch der Kunden eingeführt worden, "damit man nicht mehr so lange im Menü suchen muss". Versehentliches Einwählen könne schon mal passieren, am besten solle man immer die Tastensperre aktivieren, empfiehlt sie. "Oder besser noch einen Tarif mit Flatrate wählen, da kann nichts passieren." Der kostet natürlich extra.

Originalsoftwware für 10 bis 30 Euro

Immerhin: Die Vodafone-live-Taste lässt sich meist durch gezielte Falscheinstellung bei den Einwahloptionen abschalten. Ärgerlich nur, wenn der Nutzer eines Tages tatsächlich mit dem Handy surfen will. Die weitaus bessere Lösung für das Problem lautet: Eine neue Software aufspielen. Die speziellen Menüs von T-Mobile oder Vodafone verschwinden so. Der Benutzer kann die Sondertasten dann meist mit der eigenen Wunschfunktion belegen.

Zwischen 10 und 30 Euro kostet der Dienst bei Ebay. Jan Petermann aus Frankfurt am Main reaktiviert seit August 2004 Handys, "aus persönlichen Gründen", wie er sagt. "Ich habe mich damals über die Providersoftware beim SonyEricsson T610 geärgert." Mittlerweile besitzt Petermann drei Spezialgeräte zum Aufspielen der Original-Handy-Software: eins für Motorola-Handys, eins für Nokia Chart zeigen und eins für Geräte von SonyEricsson und Samsung Chart zeigen. Über seine Seite Smartmod.de können Kunden den Service ordern. Sie müssen ihr Handy einschicken oder können es vorbeibringen.

Kunden, die ihr Telefon lieber nicht aus der Hand geben wollen, können es auch selbst am heimischen PC reaktivieren. Für Sony-Ericsson-Geräte hat die niederländische Firma DaVinci Team eine Software entwickelt, mit der jeder Laie sein Handy entfesseln können soll. Zehn Euro kostet der Dienst pro Vorgang. Petermann, aber auch Ebay-Händler wie Markus Schwager aus Berlin, nutzen den Service als Wiederverkäufer.

Die Software hat allerdings durchaus ihre Tücken: So muss der Anwender die passenden Teile aus einer langen Liste auswählen und diverse Parameter einstellen - das sind Fehlerquellen zuhauf. Ein Test ging zunächst schief - "falsche Software ausgesucht", meinte Schwager und ermöglichte einen zweiten Versuch, der dann glückte.

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