Von Frank Patalong
Exodus der Edelfedern
Yahoo ist da bereits deutlich weiter. Wie Google unterhält auch Yahoo einen Nachrichten-Suchdienst, der die News anderer Anbieter zusammenträgt. Den wertete Yahoo seit August deutlich auf, indem zur schriftlichen Nachricht nun auch Videoberichte von CNN und ABC kamen. Daneben strickt Yahoo offensichtlich daran, sich mit einem eigenen redaktionellen Profil von den bloßen Sammelservices abzusetzen.
Dazu gehören Angebote wie das "Kriegstagebuch" des Journalisten Kevin Sites, das Yahoo vor kurzem als Beginn einer redaktionellen Qualitätsinitiative aus der Taufe hob. Schon bald soll eine Seite zum Thema Reisen und Abenteuer dazu kommen - ein Angebot, dass man im Fernsehen "Doku-Serie" nennen würde, im Web aber wohl "Multimedia-Blog" taufen wird. Doch Yahoo plant mehr als nur Infotainment.
Mit eigenen Meinungsformaten und Feature-Seiten wolle Yahoo fürderhin Glanzpunkte mit Yahoo-Stallgeruch setzen, hieß es Anfang August. Diese Woche zeigte Yahoo, wie es das schaffen will: Allein für die Wirtschaftsberichterstattung heuert Yahoo derzeit 30 Kolumnisten an - glücklich die Tageszeitung, die so etwas bezahlen kann.
Dass Yahoo mit dieser Nachricht trotzdem reichlich Spott erntete, ist kaum verwunderlich. Einerseits fehlt dem publizistischen Angebot Yahoos noch der qualitativ gute Unterbau, auf dem man dann Edelfedern in glaubhaftem Umfeld präsentieren kann: Wer, fragte da mancher, surft zu Yahoo für die aktuelle Wirtschaftsanalyse, statt zum "Wall Street Journal"?
Andererseits könnte hier und dort durchaus leichte Panik keimen. Was gerade die großen Web-Marken aus Sicht der etablierten Medien so gefährlich macht, ist ihre absolute Verfügbarkeit. Das wird sich in den nächsten Jahren aus Sicht von Fernsehen, Radio und Zeitung noch an Dramatik zunehmen: Drahtlose Internetzugänge via W-LAN oder Mobilfunk im Verbund mit neuen, portablen Lese-, Hör- und Sehgeräten lassen die Web-Marken zu potenziellen Mega-Konkurrenten wachsen, die nicht mehr an den Computer gefesselt sind.
Das schlimmste aber: Sie haben Geld wie Heu. Ganz im Gegensatz zu den in den letzten Jahren mächtig gebeutelten klassischen Medienmarken.
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