Von Frank Patalong
Hamburg - Chris Rock gehört zu den angesagtesten Komikern Amerikas - er ist so begehrt, dass sogar eine angeblich biografische Comedy-Serie über seine Kindheit das Potential zum Straßenfeger hat. Die Pilotfolge von "Everybody Hates Chris" aber braucht man sich nicht vorzumerken: Sie bekommt man auch on demand, in vier handlichen Häppchen über das Web serviert. Von wem? Von Google Video natürlich.
Google Video begann Anfang des Jahres damit, das US-Fernsehprogramm mit Standbildern zu indexieren: So etwas gab es in Deutschland schon Ende der Neunziger Jahre, mit Services, die ins laufende Programm hinein wuselten - bis Fernsehsender und Programmzeitschriften ihnen gerichtlich den Garaus machten.
Keine große Innovation also - was also soll die Aufregung?
Die Ausstrahlung der Chris-Rock-Comedy zeigt, wo der Hase wirklich läuft: Da beschnuppern sich zwei Medien, die mehr und mehr zur direkten Konkurrenz werden - vor allem, weil sich ihre Möglichkeiten annähern. Googles
und Yahoos
wachsende Video-Services sind erste Schritte auf einem neuen Terrain. Dass sie sich dort etablieren wollen, steht außer Frage.
Denn das Web wird immer bewegter, schneller, der "Daten-Highway" immer breiter. Spätestens, wenn im nächsten Jahr (nicht nur) in Deutschland die ersten 50 MBit-Verbindungen an Privathaushalte verkauft werden, ist das Web mehr als fähig, das Fernsehen in jeder Hinsicht zu beerben. Von TV-on-demand-Kanälen bis zur regulären weltweiten Ausstrahlung in bester Qualität über das Internet ist dann alles möglich und denkbar.
"Man wird dann keine 1000 Fernsehsender haben", meint dazu Yahoo-Chef Terry Semel, einst bei Time Warner selbst Manager einer klassischen Medienmarke, "sondern eine unbegrenzte Anzahl von Kanälen."
"Ausgestrahlt" über das Web, versteht sich. "Die Inhalte im Internet", beobachtet Michael Wolf, Unternehmensberater bei McKinsey, "verschieben sich von Text hin zu Video."
Die großen Internetfirmen üben schon, während sich die etablierten TV-Sender aus gutem Grunde zieren. Sie wissen, dass sie vor einem massiven Generationenproblem stehen. In Deutschland ist das Fernsehen nach wie vor das beliebteste aller Medien.
Die Statistik weist jedoch einige irritierende Lücken auf: Die neue Medien-Generation entscheidet sich ab dem 14. Lebensjahr vornehmlich für das Internet als Leitmedium. Das Fernsehen spielt für das Gros der Generation 14 vor allem als Playstation- und Xbox-Bildschirm eine Rolle und wird davon ab und zu auch gern genutzt, um Filme auf DVD zu sehen. Den Fernsehmachern droht die attraktivste Zielgruppe abhanden zu kommen.
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