15.09.2005
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Microsoft

Gates giftet gegen Google

Von Christian Stöcker

2. Teil: Niederlage im Mitarbeiterstreit

Niederlage im Mitarbeiterstreit

Pikant ist die Platzierung des Interviews aus mehreren Gründen. Erstens hat Microsoft gerade die neueste Version seiner Bürosoftware Office vorgestellt, die irgendwie ein bisschen "googelig" sein wird, nach dem, was bis jetzt zu erfahren ist. Zum Beispiel soll es sich den Bedürfnissen und Gewohnheiten der Nutzer stärker anpassen. Personalisierung ist zurzeit auch eines der großen Schlagwörter bei den Maschinensuchern aus Mountain View in Kalifornien. Zudem will sich Microsoft in Zukunft verstärkt im Geschäft mit serverbasierten Anwendungen engagieren - auch da prallen Interessen aufeinander.

Zweitens ist jetzt klar, dass Microsoft in einem der großen Streitfälle zwischen den beiden Riesen nur einen Teilerfolg erringen konnte. Der ehemalige Microsoft-Topmanager Kai-Fu Lee, der sich im Streit von dem Softwarekonzern getrennt hat, darf künftig für Google arbeiten, wenn auch unter strengen Auflagen. Das entschied ein Richter des King County im US-Bundesstaat Washington am Dienstag in Seattle. Nach der einstweiligen Verfügung darf Lee seinem neuen Arbeitgeber Google dabei helfen, eine Dependance in China aufzubauen.

Für Microsoft ist das eine Niederlage. Als im vergangenen Jahr ein anderer Microsoft-Mitarbeiter namens Mark Lucovsky zu Google abwanderte, wurde Microsofts CEO Steve Ballmer angeblich so wütend, dass er einen Stuhl durch den Raum warf und brüllte, er werde Google-Geschäftsführer Eric Schmidt "begraben" und Google "umbringen". Ballmer bestritt kurz darauf, dass das Gespräch mit Lucovsky so verlaufen sei.

"Bitte sag mir, dass es nicht Google ist"

Drittens, und hier zeigt sich deutlich, wie sich der Wind gegen Google dreht, hat Gates wohl nicht zufällig CNet als Plattform für seine Attacken gewählt. Denn mit der Nachrichtenseite stehen die Suchmaschinisten auf Kriegsfuß, seit CNet im Juli Privates ausgerechnet über Google-Chef Schmidt veröffentlichte - lauter Informationen, die Reporterin Elinor Mills ergoogelt haben will. Den Börsenwert von Schmidts Aktienpaket (1,5 Milliarden Dollar) fand sie ebenso heraus wie die Tatsache, dass der Manager einmal beim drogenbefeuerten Hippie-Festival "Burning Man" dabei gewesen war. Schmidt fand die Geschichte gar nicht lustig - er verfügte ein einjähriges CNet-Interviewverbot für Google-Mitarbeiter.

Im freundlich Google-feindlich geführten Interview gab sich Gates unbeeindruckt von der Konkurrenz aus Mountain View. Google biete beispielsweise keine Möglichkeiten für Anwender, die eigenen Produkte spezifischen Bedürfnissen anzupassen. Die Versuche des Unternehmens, interne Suchmaschinen für Unternehmen herzustellen, seien gescheitert.

Trotz aller zur Schau gestellten Gelassenheit - die Tatsache, dass Gates zum jetzigen Zeitpunkt an dieser Stelle mit solch eindeutigen Spitzen persönlich auf Google einschlägt, lässt tief blicken. In Redmond macht man sich wohl doch zunehmend Sorgen. Angeblich sagte Steve Ballmer zu Mark Lucovsky, als der seine Kündigung einreichte - noch bevor der Stuhl flog: "Bitte sag mir, dass es nicht Google ist."

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