Zuckerbrot und Peitsche
Jetzt wächst der einst marginale Markt der legalen Downloads zu einem spürbaren, kleinen Geschäft heran (geschätzt: etwa zwei Prozent der Gesamtumsätze der Musikindustrie) - und manche Firmen im Musik-Business sehen den Zeitpunkt gekommen, daran auch zu verdienen.
Sony BMG und Warner drängen, wie Jeff Leeds in der "New York Times" berichtet, auf eine Erhöhung des Preises von 99 Cent auf 1,49 Dollar für den Einzeldownload aktueller populärer Songs. Zum Ausgleich solle der Preis für ältere Stücke deutlich gesenkt werden.
Das aber halten auch viele Brancheninsider für keine gute Idee. Zu groß sei die Gefahr, dass eine Erhöhung der Downloadpreise die Kunden wieder in die Arme der P2P-Börsen zurücktreiben könne. Aus Kundensicht hat Apple sowieso alles richtig gemacht: Auch Marktbeobachter halten die 99-Cent-Schwelle für die preisliche Oberkante, die der Kunde online akzeptiert.
Zu den Kritikern des Preisdrucks gegen Apple gehört Jimmy Iovine, Chef des Universal-Label Interscope, der laut "New York Times" die Phase der Kundenwerbung längst nicht für abgeschlossen hält. "Ich glaube nicht, dass die Zeit schon reif ist. Wir müssen noch viel mehr Menschen daran gewöhnen, ihre Musik online zu kaufen. Preiserhöhungen sind meiner Meinung nach kein Weg, Kunden zu gewinnen."
Doch es scheinen auch nicht nur die Preise zu sein, an denen sich der Streit zwischen den Label und Apple entzündet. Ein wichtiger Punkt ist die nicht nachlassende Abhängigkeit der Industrie von Apple beim Onlineverkauf - bedingt auch durch das Fehlen gemeinsamer Standards und Formate. Hilary Rosen, bis 2003 Chefin der mächtigen Musiklobby RIAA, wünscht sich offene Standards für den ganzen Markt: Egal, wo man seine Songs kaufe, sollten diese auf jeder Hardware abspielbar sein. Sie glaubt, dass das die Verkäufe von Apple sogar noch beflügeln könne - sowohl online, als auch in Bezug auf iPods.
Apple dagegen fühlt sich wohl mit dem Status Quo, und das bringt manchen der Plattenbosse, die selbst einst als "mächtig" galten, in Rage. Mitte August zitierte die "Washington Post" einen Musikmanager mit einer Aussage über die Atmosphäre in Lizenzverhandlungen mit Apple. "Das ist mehr wie ein Monolog", sagte der auf Anonymität bestehende Manager dem Blatt. "Die sagen mehr oder minder 'So wollen wir das machen', und wenn man etwas einzuwenden hat, ist man ein Idiot. Das ist, als verhandele man mit einer Sekte."
Frank Patalong
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