Kreditkarten, die keine sind
Ein Grund dafür, dass Kreditkartenbesitzer in Deutschland im Betrugsfall nicht gleich Haus und Hof verlieren, liegt darin, dass es sich bei den hier ausgegebenen Karten nicht um "echte" Kreditkarten handelt, mit denen sich auch große Anschaffungen auf Pump finanzieren ließen.
In Deutschland wird Stefanie Siegenthaler zufolge am häufigsten die so genannte Charge-Card eingesetzt. Die getätigten Umsätze werden gesammelt und in der Regel einmal pro Monat vom Girokonto abgebucht. Um Unregelmäßigkeiten aufzudecken, sollte man deshalb unbedingt die monatliche Kreditkartenrechnung prüfen.
Bei Verwendung einer "echten" Kreditkarte wird tatsächlich Kredit gewährt. Das bedeutet unter anderem, dass die mit der Karte getätigten Einkäufe in Raten abgestottert werden können. Um Betrügern wenig Spielraum zu geben, könnte man also den Kreditrahmen für die Karte möglichst gering halten, so Siegenthaler.
Die Charge-Card orientiere sich an dem für das Girokonto festgelegten Dispositionskredit. Wenn dieser aufgebraucht ist, kann man mit der Karte nicht mehr bezahlen. Auch hier kann der Verbraucher durch eine freiwillige Verringerung des Dispos dem Missbrauch Grenzen setzen.
Dass die Besitzer von Kreditkarten in Deutschland in der gleichen Weise geschädigt werden, wie es jetzt in den USA der Fall gewesen ist, sei zwar nicht zu 100 Prozent auszuschließen, sagt Sonia Hanenberg, Pressereferentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. "Bisher liegen uns jedoch keine Erkenntnisse über entsprechende Sicherheitslücken vor." Hinzu komme, dass Verbraucher in Deutschland vergleichsweise wenige Daten angeben müssen, wenn sie eine Kreditkarte haben wollen. So etwas wie die Sozialversicherungsnummer des Kunden erfassen die Kreditkarten-Gesellschaften in Deutschland nicht, so Hanenberg.
"Unsere Prüfungen haben ergeben, dass es in Deutschland noch keinen Fall des versuchten Betrugs" gegeben hat, teilte das Unternehmen Mastercard unterdessen mit. Auch dem Konkurrenten Visa ist kein Missbrauch bekannt. "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein Betrüger die Daten jetzt noch benutzt, weil Kunden und Banken alarmiert sind", sagte eine Visa-Sprecherin.
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