Wie Lockvögel Kunden kobern
Für jeden Kunden wird eine Standardvergütung von 65 Prozent oder 0,83 Euro netto pro Minute versprochen. "Beispiel: Sie schicken täglich auf pflanzen.de 100 Besucher. Davon wählen sich 10 Besucher durchschnittlich 5 Minuten ein. Sie verdienen pro Tag also: 10 Besucher mal 5 Minuten mal 0,83 Euro = 41,50 Euro Netto. Das sind pro Monat 1245 Netto! Einfacher geht es nicht Geld zu verdienen!"
Versuche, mit den Betreibern der Sites in Kontakt zu treten, schlagen fehl: Entweder führen sie zu einer Firma im hessischen Büttelborn oder nach Österreich. Unter den angegebenen Telefonnummern hebt niemand ab, E-Mails werden nicht beantwortet.
Die Regulierungsbehörde verweist darauf, dass die jüngste Verschärfung des Telekommunikationsgesetzes Dialer-Missbräuche ausschalten soll: Das dritte und letzte "Zustimmungsfenster" (Pop-up) muss demnach den eindeutigen Hinweis auf den Preis des Mehrwertdienstes sowie eine Wahl 'ja' oder 'nein' enthalten.
Drei Monate Gnadenfrist für Betrüger
Das Mehrwertdienstmissbrauchgesetz ist seit 17. März 2005 in Kraft. Laut Behördensprecher Boll gilt es aber nur für neu registrierte Dialer. Bereits bestehenden Anbietern wurde eine Übergangsfrist bis 16. Juni eingeräumt, um ihnen einen "Bestandsschutz" zu gewähren.
Jochen Diebel vom Interessenverband Deutsches Internet (IDI) versteht dagegen nicht, "warum man Betrügern drei Monate extra gibt". Den Hintermännern der Sites gehe es um "reine Abzocke".
Diebel zufolge reißen sich die Verantwortlichen frei werdende attraktive Domains mit guten Google-Rankings sofort unter den Nagel. "Die sind wie die Geier und klatschen dann irgendwas drauf." So sei die IDI-Adresse robinsonlist.de einmal versehentlich als frei annonciert worden. "Zehn Minuten später kam ein Münchner Dialer darauf", berichtet Diebel.
Betroffenen rät Diebel nur, sofort Widerspruch gegen die Telefonrechnung einzulegen. Dann müsse die Dialer-Firma die Kosten selbst einfordern. Allerdings seien die Urheber sehr erfindungsreich. "Ich bin gespannt, welche neuen Schlupflöcher die im Juni finden, sagt er. Immerhin sei es technisch möglich, dass schon allein der Besuch einer Web-Site Geld kostet.
Nikolaus von Twickel, AP
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