Herr Samwer, welches Ihrer Handytiere verkauft sich zurzeit am besten? Ist Sweetie das Küken bereits passé?
"Wenn einer sagt, er findet uns zum Kotzen, dann soll er das eben sagen." Oliver Samwer
Frage: Ganz schön viel Aufwand für einen Klingelton.
Samwer: Die Entwicklung dieser Charaktere dauert, weil zum Beispiel die 3-D-Animationen sehr komplex sind. Aber Klingeltöne mit einer Story verkaufen sich einfach besser als ein schlichtes Pieppieppiep. Bilder und Filme laden die Figur mit Emotionen auf.
Frage: Apropos Emotionen - hatten Sie erwartet, dass Sweetie so eine Hasswelle auslöst? Dass ihre Figur im Netz dermaßen durch den Wolf gedreht wird?
Frage: Wie geht man damit um, wenn einem solch eine Wut entgegenschlägt?
Samwer: Ich muss ganz ehrlich sagen, wir haben einen Riesenerfolg mit dem Produkt, wir haben ganz bekannte Stofftierproduzenten, die hier bei uns anrufen und sagen, wir wollten Sweetie in Serie produzieren. Oder Firmen die dazu eine CD machen wollen. Sweetie hat für uns gewissermaßen die Bedeutung wie Harry Potter für die Buchindustrie. Und wenn ich auf der anderen Seite 100.000 Menschen habe, die Sweetie kaufen und 2000, die das Küken zum Metzger schicken, da sage ich ganz ehrlich: Damit leb' ich. Das ist eben die Kultur des Internets. Außerdem zeigt es doch, dass wir ein Phänomen geschaffen haben.
Frage: Auf MTV oder Viva konnte man Sweetie mit seiner Gesangsnummer zeitweise bis zu 150-mal am Tag sehen. Finden Sie das nicht total übertrieben?
Samwer: Nein, das hat damit zu tun, dass wir eine sehr schnelllebige Branche sind. Bei uns hält sich keine Melodie drei Monate lang in den Charts wie bei der klassischen Musikindustrie. Das läuft vier Wochen und dann ist es durch. Das heißt für uns, dass wir ganz klar darauf setzen, dass in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Leute unser Produkt sehen.
© manager magazin Online 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH