"UMTS ist nicht alles"
Auch für T-Mobile sei UMTS wichtig, jedoch nicht das Alleinstellungsmerkmal, sagt Unternehmenssprecherin Marion Kessing. Mobile Multimedia sei das Thema Nummer eins, und das gehe auch über das herkömmliche Mobilfunknetz und die lokalen W-Lan-Drahtlosnetze.
Mit gut 3500 öffentlichen Hotspots für den drahtlosen Internetzugang liegt der Bonner Konzern bei dieser Technik weit vorn. Vodafone hat erst Mitte Dezember seine Zugangspunkte mit O2 zusammengeschaltet, so dass Kunden beider Unternehmen nun an gut 600 Orten drahtlos ins Netz kommen.
Doch so sehr sich die Konzerne auch bemühen - das Datengeschäft wird auch im kommenden Jahr nur eine untergeordnete Rolle spielen. Hauptumsatztreiber sind und bleibt die Vermittlung herkömmlicher Telefongespräche. "Die Sprachtelefonie wird auf Jahre hinaus der Hauptumsatztreiber sein", sagt etwa E-Plus-Sprecher Markus Gehmeyr. Zwar werde es bei dem mobilen Datendienst enorme Wachstumsraten geben, doch dürfe man nie die sehr geringe Basis außer Acht lassen.
E-Plus betrachtet die UMTS-Technik erst auf lange Sicht als Erfolgsmodell. "Bislang, das muss man einfach so sagen, hat sich UMTS noch nicht gelohnt", sagte Geschäftsführer Thorsten Dirks der "Leipziger Volkszeitung". Die neue Mobilfunktechnik sei ein Marathonlauf, eine langfristige Sache, die sich nicht kurzfristig auszahle.
UMTS noch kein Massenthema
Als im Sommer 2000 die Lizenzen versteigert wurden, sei die Situation durch "den Börsenhype und eine - aus heutiger Sicht - übertriebene Euphorie" gekennzeichnet gewesen. "Das mündete in einem Preis von 16 Milliarden D-Mark für eine UMTS-Lizenz. Diese Summe würde jetzt keiner mehr dafür ausgeben", sagte Dirks. Für die breite Masse sei UMTS derzeit noch kein Thema.
Alle Netzbetreiber haben erkannt, dass das Telefongeschäft auch in der kommenden Zeit der Hauptumsatztreiber sein wird. Nachdem E-Plus mit seinen Time&More-Tarifen bereits seit Jahren Minutenpakete zum Pauschalpreis verkauft, haben auch die anderen Anbieter inzwischen nachgezogen.
Erklärtes Ziel zumindest von E-Plus, O2 und Vodafone ist es, dem Festnetz Telefonminuten abzujagen. T-Mobile sind auf diesem Gebiet die Hände gebunden, denn schließlich würde der Netzbetreiber der eigenen Mutter Konkurrenz machen.
Bisher würden nur 15 bis 17 Prozent aller Sprachminuten über die Mobilfunknetze geführt, sagt Gehmeyr. Wenn es dem Mobilfunk gelinge, nur ein paar Prozentpunkte davon für sich zu gewinnen, ergäben sich Umsatzsteigerungen, die weit größer sind, als sie im Bereich der mobilen Daten möglich wären.
Für 2005 haben sich alle Mobilfunkanbieter dennoch den Ausbau ihrer Datendienste in die Agenda geschrieben. T-Mobile will nach Angaben Kessings endlich ganze Musikstücke zum Download auf das Handy anbieten. Bisher könnten Kunden nur Kurzversionen bekommen, während O2 und Vodafone bereits Songs in voller Länge anbieten.
O2-Sprecher Roland Kuntze verspricht einen Start des Internetzugangs per UMTS für zu Hause. Eigentlich sollte Surf@home als Weiterentwicklung der homezone - einem Bereich, in dem O2-Kunden zu vergünstigten Tarifen telefonieren - bereits im Herbst dieses Jahres auf den Markt kommen.
Björn Sievers, ddp
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